Schach-Weltpokal 2015
WM-Zyklus

Für Ende 2016 ist der nächste Zweikampf um den Titel des Schachweltmeisters zwischen dem norwegischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und einem noch zu bestimmenden Herausforderer geplant, der in den USA ausgetragen werden soll. Zu seiner Ermittlung soll vom 9. bis 28. März 2016 ein Kandidatenturnier stattfinden, für das sich acht Spitzenspieler qualifizieren werden. Und so langsam setzt sich das Kandidatenpuzzle zusammen. Qualifiziert sind bisher der Inder Viswanathan Anand als Verlierer der Schach-WM 2014 sowie die beiden US-Amerikaner Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura als die beiden Punktbesten des Fide-Grand-Prix 2014-2015, einer Serie von vier Top-Turnieren.

Zwei weitere Kandidaten werden sich beim derzeit in Baku/Aserbaidschan laufenden Weltpokal 2015 herausbilden, die sich im K.o.-System aus einem Feld von 128 qualifizierten Hochkarätern durchsetzen werden. Für die Teilnahme an diesem Turnier waren sehr hohe Qualifikationshürden zu nehmen. Qualifiziert waren:

4 Halbfinalisten des Weltpokals 2013

Aktuelle Damen-Weltmeisterin

U-20-Weltmeister 2013 und 2014

18 Spieler mit bester Elo-Zahl

46 Spieler der EM 2014 und 2015

Je 20 Spieler der Amerika- und Asien/Ozeanien-Zone

6 Spieler der Afrika-Zone

1 Spieler der ACP-Tour

Lediglich 10 Spieler wurden ohne Qualifikation nominiert, davon 5 Spieler durch den Fide-Präsidenten. Zu den dann fünf Kandidaten werden sich die beiden Spieler mit der besten Elo-Zahl 2015 und ein weiterer vom Organisator des Kandidatenturniers nominierter Kandidat gesellen, der jedoch mindestens Elo 2725 besitzen muss.

Sehen Sie, wie der Finalist des Weltpokals 2013, der Russe Dmitri Andreikin, in Runde 3 (Sechzehntelfinale) des derzeit laufenden Weltpokals seinem Landsmann, dem Exweltmeister Wladimir Kramnik, den Pokal-K.o. versetzte.

Weiß: Dmitri Andreikin(Elo 2720)

Schwarz: Wladimir Kramnik(Elo 2777)

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sxc6 bxc6 6.De2 De7 7.Sc3 De6 8.a3 a5 9.Lf4 Lc5 10.0-0-0 0-0 11.Lxc7 Te8 12.e5 Sg4 13.Se4 La7 14.Kb1 d5 15.exd6 Dxe4 16.Dxe4 Txe4 17.f3 Sf2 18.fxe4 Sxd1 19.La6 Lxa6 20.Txd1 Lc5 21.a4 Le2 22.Td2 Lf1 23.g3 f6 24.d7 Le7 25.d8D+ Lxd8 26.Txd8+ Txd8 27.Lxd8 Kf7 28.Lxa5 Ke6 29.Lb6 Ke5 30.b3 Kxe4 31.c4 Kd3 32.a5 Lh3 33.a6 Lc8 34.a7 Lb7 35.Kb2 f5 36.Ka3 g5 37.Kb4 f4 38.gxf4 gxf4 39.Lg1 La8 40.Kc5 Kc3 41.b4 f3 42.b5 cxb5 43.cxb5 Kb3 44.b6 Ka4 45.Kd6 Kb5 46.Kc7 1-0

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 106a entnehmen wir dem heute vorgestellten Buch. Die Partie wurde 1964 in Magdeburg anlässlich der DDR-Einzelmeisterschaft zwischen Wolfgang Uhlmann, damals schon seit fünf Jahren Großmeister, und Ullrich Brümmer gespielt. Der die weißen Steine führende GM hatte im Vertrauen auf sein virulentes Springerpaar die Qualität geopfert. Diese Entscheidung sollte sich nach dem letzten Zug 0...g6 als richtig herausstellen. Sehen Sie, wie Weiß die schwarze Königsstellung erstürmte?

Nach längerer Pause lassen wir in Aufgabe Nr. 106b den bekannten oberbayerischen Problemkomponisten Werner Höller mit einem Dreizüger zu Wort kommen. Es sollte doch ein Leichtes sein, den schwarzen Einzelkönig in der geforderten Zügezahl zur Strecke zu bringen. Welches Mattmanöver sich der Autor wohl ausgedacht hat?

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 105a (Gereben-Knaizer, W: Kg1, Dc2, Ta1, Te1, Lf4, Ba4, b2, e2, f2, g3, h2 [11], S: Kg8, Dd5, Ta8, Te6, Sc6, Ba6, b7, d4, f7, g7, h7 [11]) wurde in der Finalrunde der Schacholympiade 1954 gespielt und in der Partiestellung mit Schwarz am Zug remis gegeben. Dabei ist Schwarz eine Glanzpartie entgangen. Mit 1...g5! wäre er auf die Siegesstraße gekommen.

Zunächst gilt es zu erkennen, dass das Gegenspiel 2.e4? an 2...dxe3 i.V. 3.Ted1 (3.Lxe3 Se5!) 3...Sb4 4.Txd5 Sxc2 5.Txg5+ Tg6 6.Tc1 e2 mit Gewinn und der "normale" Rückzug 2.Ld2? an 2...Txe2! 3.Txe2 d3 4.Dd1 dxe2 5.Dxe2 Sd4 scheitert. Bleibt also nur der Rückzug2.Lc1. Darauf folgt 2...d3 3.Dd1 Tae8. Noch am besten setzt Weiß mit 4.Le3 fort, doch entscheidet das Qualitätsopfer 4...Txe3! den Tag: 5.fxe3 d2 6.Tf1 Txe3 7.Tf2 Se5 8.Dc2 Dd4 9.Kh1 Ta3! oder 7.Ta3 Txa3 8.bxa3 Dd4+ 9.Tf2 Se5 10.e4 g4 mit völliger Gewinnstellung.

Ein markantes Beispiel einer verpassten Glanzpartie! Was lernen wir daraus? Vor Abgabe eines Remisangebots empfieht es sich, näher in die Position hineinzuschauen!

Mit dem Vierzüger in Aufgabe Nr. 105b (Dr. Kozdon, W: Kg2, Td2, Tf4, Lh7, Sd4, Sf7 [6], S: Kh5, Tb8, Td6, Lb7, Lh2, Se8, Sg8, Bc5, c6, f6, g3 [11]) legte uns der Internationale Meister für Schachkompositionen ein weiteres sehr interessantes Werk zur Begutachtung (und natürlich zum Lösen) vor. Hier heißt es: "Vorsicht, Verführungen!" Scheinbar führen mehrere Wege zum Ziel. Ein erster Versuch (Probespiel) ist in 1.Kh3? zu sehen, mit dem Weiß doppelt 2.Tf5# und 2.Th4# droht. Dagegen wehrt sich Schwarz erfolgreich mit 1...Lc8+ 2.Sf5 Tb4!. 1.Tf5? wiederum würde zwar nach 1...Kh4? 2.Lg6! Lc8 3.Tf4+ Lg4 4.Sf3# zum Ziel führen, nicht jedoch nach 1...Kg4. Auch die Schachprovokation 1.Sf3?, mit der Weiß ebenfalls doppelt 2.Tf5# und 2.Th4# droht, reicht wegen 1...Txd2+ 2.Kh3 Lc8+! nicht aus.

Es löst die zweite Schachprovokation 1.Sf5!, mit der Weiß eindeutig 2.Th4# droht und die Diagonale c8/h3 verstellt. Die Mattdrohung vermag Schwarz zunächst mit 1...Txd2+ abzuwehren, doch 2.Kh3 erneuert sie. Dagegen taugt nur 2...Td4, doch führt das Räumungsopfer 3.Sxg3+! Lxg3 4.Tf5# letztlich zum Ziel.

Eine künstlerische Note erhält die Aufgabe dadurch, dass eine weiße Figur unter Schachprovokation zunächst das Mattfeld f5 besetzt, um es später für die Mattfigur zu räumen.

Sehr fein vom Internationalen Meister für Schachkompositionen ausgedacht!
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