Schandfleck und Fremdkörper

Die Rückseite des Gasthofes "Zum Bären" mit der Mälzerei beeinträchtigt die Silhouette der Altstadt gehörig. Mit dem Abbruch könnten jetzt die Bausünden geheilt werden. Bild: Huber

Wenn es nach dem Willen des Stadtrates geht, könnten schon sofort die Bagger anrollen. Einstimmig gab das Gremium grünes Licht für den Abriss des Gasthofs "Zum Bären" am Stadtplatz. Jetzt hat der Denkmalschutz das Wort.

Neustadt/WN. (ms) Bürgermeister Rupert Troppmann erläuterte am Dienstagabend in der vorletzten Sitzung des Jahres, warum die Traditions-Gaststätte, die seit über sieben Jahren leer steht, weg soll. Dreh- und Angelpunkt sei, dass man nur einen Investor finde, wenn fest stehe, ob das Gebäude abgebrochen werden dürfe oder welcher Teil erhalten werden müsse.

Nur Ensembleschutz

Leider sei die Stadt in den Vorgesprächen mit dem Denkmalschutz zu keinem Ergebnis gekommen. Um Klarheit zu bekommen, habe daher die Brunner Immobilien GmbH in Weiden Antrag auf Abriss der Gebäude Stadtplatz 26 und 28 gestellt. Laut Troppmann stehen weder der Gasthof noch der "Bärensaal" auf der Denkmalschutzliste, beide Häuser genießen allerdings Ensembleschutz.

Mit der Genehmigung der Abbruchpläne will der Stadtrat ein Signal an den Investor senden: dass er hinter den Plänen steht, damit etwas Neues, Altstadtgerechtes erwachsen kann. Allerdings muss verhindert werden, dass eine Baulücke entsteht. Daher wurde der Abbruchbeschluss mit einem genehmigten Bauplan für die entstehende Lücke gekoppelt.

CSU-Fraktionschef Joe Arnold erinnerte daran, dass der "Bären"-Gasthof seit 100 Jahren das gesellschaftliche Leben in Neustadt bestimmt habe. Jetzt steht er leer. Vor allem von der Fröschau aus stelle das Anwesen einen Schandfleck dar und zerstöre die Stadtsilhouette. Ein Abbruch dieses Fremdkörpers sei die einzige Chance, diese 1982 festgestellten Bausünden zu heilen und die Möglichkeiten zu schaffen, dass neues Leben auf dem Stadtplatz entstehe. Beide Gebäude hätten denkmalschützerisch keine große Bedeutung.

Ähnlich sah das auch Achim Neupert. Er sprach von einem Meilenstein in der Stadtentwicklung. Der Stadtrat sollte daher möglichst geschlossen entscheiden und so ein Signal setzen. Der SPD-Sprecher zeigte sich zuversichtlich, dass mit einem Neubau eine städtebauverträgliche Lösung gefunden werde. Die Giebelfassade soll wieder so hergestellt werden, wie sie früher gewesen sei. Betreutes Wohnen und mehrere Parkplätze in einer Tiefgarage hörten sich gut an. Allerdings müssten die Neustädter dann erneut mit einer Baustelle leben. Für die Freien Wähler stellte Hermann Schmid fest, dass der Gastof "Zum Bären" in den vergangenen Jahren sehr gefehlt habe. "Er war die Schlagader für das Leben und die Anlaufstelle auf dem Stadtplatz. Jetzt haben wir es in der Hand, dass wieder Leben in die gute Stube einkehrt."

Wieder wie früher

Um die Bausünden der letzten Jahrzehnte zu beseitigen, sei ein totaler Abbruch unumgänglich, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Nur das gebe dem Investor die Möglichkeit, die Vorder- und Hinteransicht mit ihren Giebeln wieder im Originalzustand herzustellen. Barrierefreies Wohnen und vor allem die geplante Nutzung des Erdgeschosses würden wieder Leben auf den Stadtplatz bringen, ist Schmid überzeugt.
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