Schiffchen zu Allerseelen am Fluss
Schmidmühlen

Schmidmühlen. (pop) Am Allerseelentag, Sonntag, 2. November, lebt in Schmidmühlen ein altes Brauchtum wieder auf: das Allerseelenschiffchen. Es hat folgenden Hintergrund: In der Allerseelenwoche wurde bis etwa Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts täglich in der Friedhofskirche ein Rosenkranz gebetet. Dabei brannten auch immer kleine Kerzen und Wachstöckeln.

Nach dem Rosenkranzgebet nahmen die Kinder - vor allem waren es Buben - die brennenden Kerzen mit aus der Kirche und setzten sie auf kleine Rindenschiffchen oder Holzbretter und ließen sie so auf der Lauterach bis zum Hammer schwimmen. Dies geschah vorher schon vereinzelt, am Allerseelentag aber nach dem Rosenkranz massiert: Nahezu alle Kinder schickten diese Schiffchen mit Kerzen auf die Reise. Mit dem Zweiten Weltkrieg jedoch kam das Ende für das Allerseelenschiffchen. Aus Angst vor Luftangriffen wurde offenes Licht seinerzeit verboten.

Dieser alte Brauch, so sind viele Bürger heute noch in Schmidmühlen überzeugt, hat seine Wurzeln mit Sicherheit in der tiefen Gläubigkeit der damals lebenden Leute. Zumal vor dem Start der Schiffchen von Erwachsenen und Kindern ein Rosenkranz in der Friedhofskirche gebetet wurde. Zum Leben am Fluss gehörte eben auch das Thema "Sterben am Fluss".

Heute ist dieser Brauch, der die Lauterach in ein buntes Lichtermeer verwandelt, fast schon eine Licht- und Naturmeditationsstunde. Ohne großen Rummel wollen die Beteiligten mit dem Dahingleiten der leuchtenden Schiffchen auf der Lauterach ihre Gedanken auch an die Verstorbenen richten.

Bei diesem Brauch hilft auch heuer wieder die Feuerwehr Schmidmühlen beim Einsetzen und Herausnehmen der Schiffchen. Um 17 Uhr findet in der Pfarrkirche St. Ägidius der Allerseelengottesdienst statt. Im Anschluss ab 18 Uhr können dann die Allerseelenschiffchen an der Friedhofsbrücke in die Lauterach gesetzt werden. Teilnehmer sollen Taschenlampen mitbringen und auf geeignete feste Schuhe achten.

Rieden Bräuche an stillen Tagen im Blick

Rieden. (sön) Tragisches, Hintergründiges und Humorvolles über das Sterben berichtet unter dem Titel "Lustig g'lebt und selig g'storbn" Josef Schmaußer, Heimatpfleger der Gemeinde Ursensollen, beim Heimatabend. Dazu lädt der Heimatverein "Unteres Vilstal" am Freitag, 7. November, um 19.30 Uhr in den Landgasthof Zum Bärenwirt ein. Der Eintritt für Erwachsene kostet zwei Euro.

Auch das Brauchtum um Allerheiligen und bäuerliche Arbeiten am Ende des Jahres will Josef Schmaußer bei seinem Vortrag, bereichert durch Bilder, darstellen. Im Mittelpunkt stehen die Feste Allerheiligen/Allerseelen, um die sich viele Bräuche ranken. Die Kirche hat nicht von ungefähr das Gedenken an die Verstorbenen in diese ruhige Zeit gelegt.

Der Heimatpfleger weiß viel Hintergründiges, Tragisches, aber auch Humorvolles über früheres und noch aktuelles Totenbrauchtum aus dem südwestlichen Landkreis zu erzählen. Er geht bei seinen Beiträgen auch immer wieder auf die Unterschiede in überwiegend katholischen bzw. evangelischen Gebieten ein.
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