Schindler über Glanz- und dunkle Stunden der SPD
Nicht frei von Fehlern

An der Völkerwanderung sind wir nicht ganz unschuldig. Das eigentliche Problem haben die Menschen, die zu Hause nichts zu fressen haben und deshalb abhauen
Immenreuth. (bkr) Landtagsabgeordneter und Bezirksvorsitzender Franz Schindler beleuchtete zum 100-jährigen Bestehen des SPD-Ortsverbandes 150 Jahre Sozialdemokratie in Deutschland. Lebhaft, voller Leidenschaft, offen, aber auch kritisch betrachtete er die wechselhafte Geschichte im Kampf für soziale Gerechtigkeit.

Diejenigen, die 1915 die Partei vor Ort gegründet haben, mussten viel durchmachen, erklärte Schindler. Schnell lenkte er seinen Blick darauf, dass auch Fehler und Irrtümer gemacht wurden, weil man in der Verantwortung stand. Aber die SPD sei eine patriotische Partei. Sie solle sich zum Kulturerbe erklären lassen, weil sie ihre Urforderungen erfüllt habe. Aus geschundenen Proleten seien gleichberechtigte Bürger geworden. Alle hätten Zugang zur Bildung, keiner brauche mehr zu hungern.

Schindler listete die sozialen Leistungen seiner Partei auf. Nicht immer sei dies ein gradliniger Weg gewesen. Rückschläge, Spaltung, Abspaltungen und Zwangsvereinigungen mussten hingenommen werden. Die Partei verfolgte auch Trends und hatte verschiedene Ausrichtungen. Aus ihrer Vielfalt entstammten beispielsweise Abstinenzlervereine, Sterbekassen, Konsumgenossenschaften und Naturvereine.

Die bittersten Stunden erlebten die Sozialdemokraten 1933. "Den Nazis ist die Macht vom Parlament hingeworfen worden. Die anderen haben versagt", bedauerte Schindler. Der Nationalsozialismus hätte verhindert werden können, wenn auch die anderen den Mut gehabt und dagegen gestimmt hätten.

Schwache schützen

Schindler beanspruchte nicht, dass die Sozialdemokraten immer die besseren Menschen in ihren Reihen und die besseren Antworten hatten. Was sie besser mache, seien die Grundwerte und der Schutz des Einzelnen, die im Mittelpunkt stünden. Der Bezirksvorsitzende forderte einen starken Staat, der die Schwachen schützt. Doch durch die Globalisierung könnten in der Dritten Welt kleine Bauern nichts mehr verkaufen, weil Großkonzerne das Land vereinnahmten. "Wir haben uns nicht um die Not in der Welt gekümmert."

Von Ausbeutung gut gelebt

In der Ausbeutung, "von der wir Jahrzehnte gut lebten", und in den Bombenkriegen der USA sah er die Ursachen für die Flüchtlingswelle. "An der Völkerwanderung sind wir nicht ganz unschuldig. Das eigentliche Problem haben die Menschen, die zu Hause nichts zu fressen haben und deshalb abhauen. Wie klein sind unsere Probleme", sagte er. Allerdings räumte er ein, irgendwann an die Grenzen der Integration zu kommen. Deutschland müsse aber ein sicheres Ankunftsland bleiben.
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