Schlaflabor auf der Kippe

Patienten mit Schlafstörungen werden mit Elektroden überwacht. Dabei werden unter anderem Hirnströme, Atmung und Herzrhythmus gemessen. Der Bedarf an solchen Plätzen wächst bundesweit. Am Bezirksklinikum Wöllershof droht dem Schlaflabor aber nach 17 Jahren die Schließung. Bild: dpa

War's das mit dem Schlaflabor in Wöllershof? Nach dem Tod von Dr. Tamara Kunze steht das Bezirksklinikum ohne Schlafmedizinerin da. Die Chancen, einen Nachfolger zu finden, stehen nicht gut.

Dr. Kunze erlag vergangene Woche einem Krebsleiden. Drei Jahre, bevor sie in den Ruhestand gehen wollte.

"Gute Frage", antwortet Kurt Häupl offen auf die Bitte nach einer Erklärung, wie es jetzt weitergehen soll. Der Vorstand der medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo) weiß, dass es nicht einfach wird, einen Somnologen in die Nordoberpfalz zu locken. "Wir werden jetzt erstmal in unseren Reihen in Regensburg fragen, ob jemand dorthin will." Danach würde die Stelle im Deutschen Ärzteblatt ausgeschrieben. "Aber das quillt ja auch schon über mit Stellengesuchen."

Bis Ende des Jahres hat sich der Medbo-Chef die Frist gesetzt, einen neuen Leiter für das Schlaflabor zu finden. Patienten aus Wöllershof sollen vorerst nach Regensburg verlegt werden. Die Wartezeit für ein Bett in der Somnologie beträgt drei bis sechs Monate. Die drei Plätze in Wöllershof werden einstweilen mit anderen Patienten belegt.

Häupl schwebt vor, das Schlaflabor ans Klinikum Weiden zu verlegen und die Wöllershofer bei psychiatrisch bedingten Schlafstörungen zu Rate zu ziehen. Doch die Weidener winken ab. Es sei in Deutschland kaum umsetzbar, dass sich Schlafmedizin in einem somatischen Krankenhaus trägt. "Die Kassen wollen, dass alles, was ambulant möglich ist, auch ambulant gemacht wird. Unsere Kerngeschäfte sind aber stationäre Leistungen", erklärt Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger.

Das Problem kennt auch Häupl. Er will trotzdem nicht aufgeben und hofft auf Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher. Er soll sich als Verwaltungsrat für eine Kooperation zwischen Weiden und Wöllershof einsetzen.

Häupl schließt nicht aus, dass sich das Tauziehen anderweitig erübrigen könnte. "Vielleicht kommt wie in Nabburg ein Arzt auf die Idee, ambulante Belegbetten in Weiden einzurichten." Andernfalls droht die Oberpfalz somnologisch in einen Dornröschenschlaf zu verfallen. Die nächsten Betten stehen erst wieder in Nabburg, Amberg und Regensburg.
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