Schließungspläne: Auch Hausärzte schlagen Alarm - "Es entsteht eine Behandlungswüste"
Krankenhaus ist unersetzlich

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"Rettet das Krankenhaus Eschenbach!" Diesen Appell richten die Hausärzte aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN an die Verantwortlichen. Für gute Medizin sei auch ein gutes Krankenhaus notwendig, erklärten die Allgemeinmediziner bei einer Ärztefortbildung am Montagabend.

Die niedergelassenen Ärzte wissen ihre Patienten in der Eschenbacher Einrichtung gut versorgt. Kein einziges Argument zur Schließung des Hauses sei deshalb gerechtfertigt, betonte die Ärzteschaft.

Gleichzeitig erinnerten die Mediziner an die Beteuerungen der Kliniken-AG-Vertreter Professor Dr. Manfred Hausel (Ärztlicher Direktor) und Christian Stadler (Regionalleiter) zur Bestandssicherung des Hauses. Besonders die vollmundigen Versprechungen Hausels stoßen den Hausärzten sauer auf.

Vorwurf: Vertrauensbruch

In seiner Eigenschaft als Prokurist und Vorstandsmitglied hatte Hausel ihnen erst vor wenigen Wochen bei einem Fachvortrag im Krankenhaus Eschenbach versichert: "Wir brauchen das Vertrauen der niedergelassenen Mediziner. Dafür können sich Hausärzte und Patienten auf uns verlassen!" Mit diesem Vertrauensbruch sei die bisher gute Zusammenarbeit in Frage gestellt, betonten die Teilnehmer übereinstimmend.

Die angekündigte Radikallösung durch den Aufsichtsrat stößt bei ihnen auf Unverständnis. "Das Klinikum Weiden ist hoffnungslos überlastet", wissen die Hausärzte aus vielen Rückmeldungen ihrer Patienten. Und Dr. Thomas Arnold musste als Notarzt des Öfteren erkennen: "Die Patienten warten stundenlang."
Auch in ihrer Eigenschaft als Notärzte schlagen die Hausärzte Alarm. Bei einer Schließung des Eschenbacher Krankenhauses sei an einen geordneten und schnellen Notarztdienst nicht mehr zu denken. Der Patient auf dem Land werde somit zum Spielball fiskalischer Überlegungen. "Dem Aufsichtsrat geht's um Geld, den Hausärzten geht's um die Patientenverantwortung", fasste Dr. Bernd Knoll zusammen.

Zur Basis- und Akutversorgung sowie zur Sicherung des Notarztstandorts sei das Krankenhaus Eschenbach unersetzlich. Der Verlust der Einrichtung würde insgesamt zu einem Minus an medizinischer Versorgung führen, stellte Kordula-Pia Stolzenburg, leitende Oberärztin am Krankenhaus, fest. "Die Versorgungsqualität leidet, es entsteht eine Behandlungswüste."

"Für das Allgemeinwohl"

Die Teilnehmer erinnerten zudem an den Auftrag zur Sicherstellung der stationären Versorgung durch die öffentliche Hand. Dr. Georg Bayerl: "Kleine Häuser für die Grundversorgung bleiben meist defizitär. Das ist im Sinne des Allgemeinwohls zu akzeptieren". Eine Defizithaftung des Krankenhausträgers sei deshalb vertretbar. Dr. Frank Schröder ergänzte: "Auch Krankenhäuser sind Einrichtungen für das Allgemeinwohl." Wer hohe Defizite zum Beispiel für Freibäder in Kauf nehme, der müsse erst recht für das höchste Gut, die Gesundheit, in die Tasche greifen.

Trotz vieler schlüssiger Argumente: Die entscheidende Rolle bei der Sicherung des Krankenhausstandorts spiele der Patient, machte die Ärzteschaft deutlich. Die Erfahrung zeige, dass die Bevölkerung "mit den Füßen" über das Schicksal einer Klinik entscheide. Hintergrund
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