"Schnecks" Protest und Geschichten

Die erste Skulptur ist die wertvollste: "Da habe ich fast nichts daran gemacht, die Natur hat sie schon so geformt." Bilder: Stephan Huber

Manchmal gibt es Bäume, die sehen aus wie Menschen. Aber jeder Mensch ist ein bisschen Baum - mit seinen Wurzeln, seinem Stamm und seiner Krone.

Karlheinz Neidel, für alle, die ihn kennen - der "Schneck", hat seine Wurzeln in Eschenfelden (Gemeinde Hirschbach). Dort steht das Haus, das noch sein Vater gebaut hat. Dass in diesem Haus die Fantasie daheim ist, merken die Gäste schon an der Einfahrt: Sagenhafte Wesen empfangen hier die Besucher. "Es ist Beowulf", erklärt Neidel, "eine nordische Sage", und plötzlich fängt das Holz an zu leben, und der tote Apfelbaum erzählt tatsächlich eine ganze Geschichte.

Umstellung nicht schwer

Seit elf Jahren fertigt "Schneck" nun Wesen aus Holz: "Zuerst habe ich Metallskulpturen gemacht: Ich habe bei der Maxhütte gearbeitet und konnte dort auf dem Schrottplatz nach Metall suchen." Die Werkschließung bedeutete für ihn, kein Zugang mehr zum Schrottmetall zu haben - Neidel stieg auf Holz um: "Das Holz gibt dir vor, was du tun sollst, beim Eisen ist es genau umgekehrt: Du hast einen Gedanken und dann suchst du nach passenden Metallstücken." Trotzdem war die Umstellung nicht schwierig, sondern spannend. Sein Motto ist "mit möglichst wenigen Handgriffen möglichst viel darzustellen", denn nach seiner festen Überzeugung könne der Mensch das Holz überhaupt nicht so schön formen, wie die Natur das macht.

Kopf wird frei

Anfangs arbeitete er mit gewöhnlichem Brennholz, da entstanden kleinere Skulpturen und der Freizeitkünstler bekam Lust auf mehr: "Irgendwann ist es ausgereizt und du willst was Größeres machen." Wie viel Arbeitszeit in Werken wie Beowulf steckt, möchte er gar nicht beziffern; jeden Tag nach der Arbeit widmet er anderthalb Stunden dem Holz: "Das ist für mich eine Entspannung, der Kopf wird frei." Dann zieht er Helm, Sicherheitshose und -schürze an und geht in die Werkstatt. Die Sicherheit steht für Neidel an oberster Stelle: "Ich weiß, dass es extrem gefährlich ist: Die Säge ist sehr scharf und wenn ich mal zu tief ins Holz reingehe, kann sie zurückschlagen - dann kannst du froh sein, wenn es nichts erwischt hat."

Manchmal gibt es Bäume, die sehen aus wie Menschen. Aber jeder Mensch ist ein bisschen Baum - mit seinen Wurzeln, seinem Stamm und seiner Krone. Seit elf Jahren fertigt "Schneck" Wesen aus Holz.
Bilder: Stephan Huber


Neidel arbeitet mit unterschiedlichstem Holz, besonders gerne mit Buche: "Sie ist zäh, fest und von der Farbe her sehr schön. Im frischen Zustand lässt sie sich wunderbar bearbeiten." Der erste Schritt zur Skulptur ist das Sehen: "Wenn ich das Holz sehe, weiß ich auf Anhieb, ob es etwas ergibt, oder nicht. Ich weiß aber nicht was, da bin ich immer offen." Dann wird der Baum entrindet, morsche Teile kommen weg - schon erscheint der Rohstoff neu und gibt der Fantasie wieder freien Raum. Was es im Endeffekt wird, sieht sogar der Freizeitkünstler selbst erst, wenn das Stück vollendet ist.
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