Schnuller einsacken

Bernhard Schmid, Bernhard Söller, Johannes Frauenholz und Andreas Popp (von links) bei der Anprobe im Gerätehaus der Feuerwehr Punreuth. Bild: bkr

"Von drauß', vom Walde komme ich her!"- das Gedicht von Theodor Storm kennt jedes Kind. Die Nikoläuse der Jungen Union können es aus dem FF aufsagen. Kein Wunder. Bis zu 20 Mal kommt es den beiden Teams jeweils über die Lippen. Vor 12 Jahren fing alles ganz harmlos an.

Immenreuth. (bkr) Der frühere Vorsitzende Bernhard Söllner erinnert sich noch genau daran. Die Nikolausaktion hatte ihren Ursprung bei der Kolpingfamilie. Sie organisierte Teams, die auf "Bestellung" die Kinder besuchten. Personalmangel führte schließlich 2001 dazu, Söllner mit einzubinden. Zwei Jahre später trat die Kolpingfamilie ihre Nikolausaktion an die Junge Union ab.

"2003 starteten wir mit einer Gruppe", berichtet Söllner. Der Dienst erfuhr einen derart großen Zuspruch, dass 2007 ein zweites Gewand für eine weitere Gruppe angeschafft wurde. Das erste Gewand war ein Geschenk des heutigen Weidener Stadtpfarrers Markus Schmid. Es war ein Priestergewand, das - sorgfältig aufbewahrt - auch dieses Jahr wieder für den Bischof von Myra im Einsatz ist.

Aus Spenden wurde die Neuanschaffung finanziert. Apropos Spenden. "Sie sind immer großzügig", freut sich die Truppe. In die eigene Kasse fließt das Geld nicht, sondern werde zusammen mit den etwas geringeren Aufmerksamkeiten aus der Christbaumabholaktion im Januar, einem sozialen Zweck in der Gemeinde zugeführt.

Der Nikolaus kommt nie alleine. Der Krampus begleitet ihn. "Manchmal ist er auch erforderlich", schmunzelt Andreas Popp, der den grimmigen Begleiter spielt. Ab und zu muss dem Nikolaus schon beigestanden werden, um den Respekt wieder herzustellen. Dank seiner Körpergröße habe Popp damit keine Schwierigkeiten.

Ein Problem haben die ehrenamtlichen Nikoläuse aber oft mit den Geschenken, die sie mitbringen. Mit Apfel, Nuss und Mandelkern ist es nicht mehr getan. "Wir mussten schon zwei Säcke mit ins Wohnzimmer schleppen", berichtet Bernhard Schmid. Ein Geschenk habe einmal gar nicht in den Sack gepasst. Es war ein Fahrrad. Was den "heiligen Männern" in ihren roten Gewändern auffällt: Die Kinder dürfen nicht mehr so nachhaltig und streng angesprochen werden.

Kleinlaute "Helden"

Nicht selten kennen sie die Kleinen aus ihrem persönlichen Umfeld. "Kinder haben oft ein großes Mundwerk und trumpfen Tage zuvor noch kräftig auf." Auf so einen "Helden" traf einmal Schmid. Mit der großen Klappe war es schnell vorbei. "Als ich hineinkam war er schwupps weg. Hinter einem Blumentopf versteckt schaute er ängstlich hervor."

Da ist es oft schwierig, das eigene Lachen zu unterdrücken. Schließlich wollen die ehrwürdigen Männer nicht enttarnt werden. Geschehen ist das noch nie. Das Schönste aber ist für sie, in die durchdringenden Kinderaugen zu schauen, wenn sie ihre Gedichte oder Lieder vortragen oder selbstgezeichnete Bilder überreichen.

Natürlich haben die Nikoläuse, die zwischenzeitlich auch die Gemeindegrenzen überschritten haben, Aufgaben übernommen, die Eltern nicht schaffen: Den Schnuller mitnehmen. Einige werden Bernhard Schmid, Johannes Frauenholz, Matthias Bayer und Andreas Popp auch dieses Jahr wieder einsammeln.
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