Schokolade gegen Blutwurst

Sie trafen sich beim Taubnschuster, um ihre Erinnerungen an das Kriegsende auszutauschen: (von links) Siegfried Bayer, Robert Dunzer, Max Hesl, Willi Thurn und Willi Trummer. Die Männer waren sich einig, dass ähnliche Gesprächsrunden öfter stattfinden sollten. Bild: hev

Luftschutzbunker, Todesmärsche, Suppenküchen - die Erinnerungen daran kamen wieder hoch, als sich mehrere Eschenbacher beim Taubnschuster zu einem Erzählnachmittag trafen. Bei Kriegsende waren sie alle im schulpflichtigen Alter.

Willi Trummer hatte dazu eingeladen, Bronislaw Primann hielt die Berichte fest. Ausgiebig diskutiert wurde unter anderem das Thema "Schule". Während des Zweiten Weltkriegs, als die Klosterschwestern an der Mädchenschule nicht tätig sein durften, übernahmen weltliche Lehrerinnen, davon etliche aus Österreich, ihren Dienst. Tägliche Fliegeralarm-Übungen während der Stunden waren gegen Kriegsende an der Tagesordnung.

Wegen der Belegung durch Soldaten sowie der Ankunft der ersten Flüchtlinge und Vertriebenen, die in der Volksschule (heute Pfarrheim) einquartiert wurden, fand etwa für ein halbes Jahr kein Unterricht statt. Die Kinder waren darüber natürlich nicht unbedingt traurig. Später wurde stundenweise im Sitzungssaal des Rathauses und im Otto-Heim, dem späteren Diska-Markt, unterrichtet.

Auch um die Schulspeisung ging es bei dem Gespräch. Jedes Kind hatte dafür ein Blechgeschirr oder eine leere Konservendose mit einem Bindfaden als Henkel und einen Löffel. Das Beste kam meist zum Schluss: Bei der Erbsensuppe waren es ein paar Brocken Fleisch oder Wurst, bei der Schokoladen- und Milchsuppe Rosinen.

Bauernkinder erhielten als "Selbstversorger" keine Schulspeisung. Weil dazu jedoch auch manchmal Schokolade gehörte, entwickelte sich ein reger Tauschmarkt: ein Riegel Schokolade gegen eine Blutwurst.

Einige Männer erinnerten sich bei dem Erzählnachmittag zudem an die Todesmärsche, die im April 1945 in beiden Richtungen auch durch Eschenbach führten. Bei der "Gänshut" am Stadtweiher (heute Gärtnerei Fischer) sahen sie mindestens dreimal einen Zug elender Gestalten in Häftlingskleidung vorüberziehen.

Es wurde die Vermutung geäußert, dass ein Teil der Gefangenen in Happurg beim Bau unterirdischer Fabrikanlagen eingesetzt gewesen war. Die anderen kamen wahrscheinlich von Flossenbürg und wurden bei Kirchenthumbach in den Truppenübungsplatz getrieben. Als die Häftlinge versuchten, aus einer Quelle Wasser zu trinken, wurden sie von den Wachposten sofort brutal weggetrieben.

Noch viele weitere Themen kamen zur Sprache: etwa das Verhältnis zu den Fremdarbeitern, der Bau von Panzersperren, die Beschlagnahme der Häuser durch die Besatzungstruppen und die Bombenangriffe auf die Nachbarorte.
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