Schriftsteller Sagy Cohen spricht über das Leben und die Bedrohung in Israel
Zwischen Angst und Terror

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sagy Cohen, jüdischer Schriftsteller, glaubt an die Kraft der Jugend zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern. Bild: do
Wie lebt man inmitten von Terror und Krieg, Attentaten und Raketenangriffen? Authentische Antworten erwarteten die vielen Besucher eines VHS-Vortrages im Malzhaus. Sagy Cohen informierte über die Folgen ständiger Bedrohung der israelischen Bevölkerung durch Hamas und radikale, gewaltbereite Palästinenser.

Sagy Cohen, Schriftsteller und leutseliger Erzähler, wurde 1977 in Israel geboren und lebt seit 2007 in Bayreuth. Mit einer Präsentation beeindruckender Bilder aus dem "Land der Kriege und des Terrors" erzählte Cohen spannend und realitätsnah über die Kindheits- und Jugenderlebnisse in seiner Heimat. Er verriet darüber hinaus Erlebnisse aus der dreijährigen Militärzeit. Ebenso aufschlussreich waren die Informationen des gemäßigten säkularen Juden über den Lebensalltag der Israelis und das Verhältnis zu Palästinensern und den vielen Religionsgruppen. "Die Radikalisierung des Islam nimmt zu", urteilte der Schriftsteller.

Schutz vor Angriffen

Nach einem kurzen geschichtlichen Rückblick auf fünf große Kriege seit 1948 beschrieb der Referent zunächst die Schutzvorkehrungen des Staates vor Luftangriffen, Skut-Raketen sowie biologischen und chemischen Waffen. Verpflichtende Sicherheitsbestimmungen gebe es auch für Privatwohnungen. Die Bedrohung des Staates von innen und außen erkläre die ungewöhnlich starke Präsenz waffenstarrender Militär- und Polizeikräfte im Bild der Öffentlichkeit. "Die Gefahren lauern an allen Ecken und Enden", sagte Cohen und wertete die Schutzvorkehrungen als Beruhigungsmittel für die Bevölkerung. "Schon Sirenengeheul verursacht Panik" und "der Terror gehört schon zum Alltag".

Wohin aber führen solche martialischen Bilder, strenge Kontrollmaßnahmen, oder gar Hausdurchsuchungen und Verhaftungen, fragte Cohen in die Runde. Aus eigener Erfahrung berichtete er von der Entwicklung einer Hassspirale zwischen Israelis und Moslems, die ständige Angst verbreite. Eine solche Drohkulisse zerstöre die Gesprächsbereitschaft auf beiden Seiten, bedauerte der Referent.

Es entstehe ein Schwarz-Weiß-Denken mit einem Scheuklappen-Verhalten, das den Minderheiten radikaler Kräfte in die Karten spiele. Endprodukt sei eine Gewaltspirale gegen Ungläubige. Selbst die überwiegend friedfertigen und auf Ausgleich bedachten Moslems würden dann Opfer ihrer eigenen Glaubensbrüder. Cohen wusste, dass oftmals die Hass-Propaganda schon in der Schule beginne. Von Kindesbeinen an werde in den Bildungseinrichtungen der Palästinenser und von Hamas ein Weltbild von "wir oder nix" gelehrt. "Heraus kommt blinder Terror", meinte der Referent.

Hoffen auf Annäherung

Als mitursächlich für die unversöhnlichen Standpunkte zwischen Juden und Palästinensern nannte Cohen die Konflikte zwischen Jungen und Alten, zwischen alt und neu und zwischen Betonköpfen und liberalem Gedankengut. Hoffnung setzte der Schriftsteller in die junge Generation, den Teufelskreis des Hasses zu durchbrechen. Cohen beobachtet viele hoffnungsvolle Ansätze in der Annäherung von jungen Israelis und Palästinensern.

Um dieses Pflänzchen an Gemeinsamkeiten am Leben zu erhalten, bedürfe es der vorurteilslosen Begegnung, einer Vertrauensbasis und selbstbewusster Eigenverantwortung. Gewürzt mit dem Grundrecht der Freiheit erhofft sich der Israeli eine Annäherung in kleinen Schritten. Nüchtern betrachtet, weiß Cohen jedoch auch: "Das große Ziel einer friedlichen Koexistenz beider Völker liegt wegen der realpolitischen Lage in Nahost in weiter Ferne."
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