Schub in der Forschung

Wenn sich ein bekannter Renaissance-Maler nach seiner Heimatstadt benennt, ist das ein großer Coup für das Städtchen: Das kleine Kronach im Frankenwald kann deshalb wahre Kunstschätze zeigen - und das nicht nur von der Künstler-Familie Cranach.

Ob Wittenberg oder Weimar - in diesem Jahr gibt es zahlreiche Ausstellungen zur Künstlerfamilie Cranach. Und auch die Fränkische Galerie in Kronach, der Geburtsstadt von Lucas Cranach dem Älteren (um 1472-1553), hat sich aufgehübscht für das große Cranach-Jahr. Die Zweigstelle des Bayerischen Nationalmuseums auf der Festung Rosenberg präsentiert sich in modernisiertem Gewand. Nach der Winterpause sind die Ausstellungsräume jetzt wieder geöffnet.

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Cranach stoße international auf großes Interesse, sagte Kerstin Löw, Chefin der Geschäftsstelle der Städtekooperation "Wege zu Cranach". Das gelte nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Wissenschaft: "Es gibt einen Schub in der Forschung." Anlass für das Jubiläumsjahr ist der 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren.

In der Kooperation "Wege zu Cranach" haben sich inzwischen 13 Städte im fränkischen und ostdeutschen Raum zusammengeschlossen, die eine Verbindung zum Leben der Künstlerfamilie aufweisen. Natürlich sei es ein touristisches Netzwerk, sagte Löw, "am Ende des Tages wollen wir Gäste anlocken". Dennoch sei es wichtig, kunsthistorisch hochwertige Angebote zu machen. Das Netzwerk habe deshalb profilierte Cranach-Experten aus der Kunstwissenschaft mit an Bord.

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Lehrbild der Reformation

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In Kronach selbst sind 9 Werke zu sehen, die die Cranachs selbst oder ihre Werkstatt fertigte, dazu kommen 12 aus Werke aus dem Umfeld. Die Schau auf der Festung wartet aber auch mit vielen anderen Kunstwerken auf, die einen Zusammenhang zu Cranachs Schaffen herstellen. Der Weg zu Cranachs Kunst lasse sich hier gut nachvollziehen, erläuterte Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum in München. Man sehe hier in der Fränkischen Galerie, "auf welcher Grundlage sich Cranach entwickelt hat". Die Sammlung spätgotischer Kunst zeigt etwa Werke von Tilman Riemenschneider und von Künstlern aus dem Umfeld von Albrecht Dürer.

Das Herzstück der Sammlung ist aber natürlich ein Werk Cranachs - nämlich das Gemälde Christus und die Ehebrecherin, das zu den ersten Lehrbildern der Reformation gehörte. Wie Weniger sagte, kam es einst in den Besitz von Kurfürst Maximilian nach München in dessen private Galerie. Der Protagonist der Gegenreformation ließ es allerdings überarbeiten: Dass Jesus in der ursprünglichen Bildvariante die Hand der Ehebrecherin gehalten hatte, wollte der katholische Besitzer nicht akzeptieren.

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Weitere Informationen im Internet:

http://wege-zu-cranach.de
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