Schüler für Schüler

Kinder und Jugendliche zählen nicht gerade zum Zielpublikum historischer Ausstellungen. Dass es auch anders geht, beweist das Ingolstädter Armeemuseum mit der Landesausstellung "Napoleon und Bayern".

Die Niederlage Napoleons bei Waterloo, seine endgültige Abdankung und Verbannung nach St. Helena jähren sich 2015 zum 200. Mal. Damit ist das Ende einer mehr als 20 Jahre währenden Kriegsperiode in Europa eingeläutet und im Wiener Kongress verhandeln die Mächte eine neue Friedensordnung.

Aus diesem Grund präsentieren das Haus der Bayerischen Geschichte, das Bayerische Armeemuseum und die Stadt Ingolstadt gemeinsam die Bayerische Landesausstellung "Napoleon und Bayern". Schauplatz ist die ehemals von Napoleon geschleifte und vom bayerischen König Ludwig I. wieder aufgebaute einstige Landesfestung Ingolstadt, heutige Heimstatt des Bayerischen Armeemuseums.

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Dabei wartet das Haus der Bayerischen Geschichte mit einer Premiere auf. Zum ersten Mal werden in einer Bayerischen Landesausstellung I-Pads als virtuelle Museumsführer eingesetzt. Innovativ ist auch die Konzeption, denn entwickelt haben den I-Pad-Guide Schüler für Schüler. Das P-Seminar des Chiemgau-Gymnasiums in Traunstein begann das Projekt im Winterhalbjahr 2013/14 unter Oberstudienrat Stefan Schuch, gestaltete Spielideen und Texte. Die Stadt Ingolstadt stellte die I-Pads zur Verfügung und der Freundeskreis des Hauses der Bayerischen Geschichte unterstützte das mediale Konzept.

Warum bäumt sich Napoleons Pferd auf? Was hat es mit einer beigefarbenen Baumwollweste auf sich? Wie erkennt man eine bayerische Beutekanone? Und natürlich darf ein Quiz nicht fehlen: Mit solchen Fragen und Aufgaben führt der I-Pad-Guide durch die Bayerische Landesausstellung. Die Besucher schlüpfen dabei in die Rolle des bayerischen Ministers Maximilian von Montgelas, gestalten einen Zeit-Strahl, packen einen virtuellen Tornister und lernen auf spielerische Art und Weise die Geschichte von "Napoleon und Bayern" kennen. "Per I-Pad durch die Landesausstellung ist mittlerweile das beliebsteste museumspädagogische Angebot", erklärt Margot Hamm, Projektleiterin des Hauses der Bayerischen Geschichte. "Und zwar nicht nur bei Schulklassen."

Bayern stand Anfang des 19. Jahrhunderts erst auf der Seite der Gegner Napoleons, dann war es sein Verbündeter und schließlich schwenkte es gerade noch rechtzeitig wieder auf die Seite der Gewinner. Mehr als einmal stand das Land auf der Kippe. So ist es nicht verwunderlich, dass man in Bayern diese Epoche bis heute mit gemischten Gefühlen betrachtet.

Die Zeit war reif, die Geschichte von "Napoleon und Bayern", von Krieg und Frieden einmal aus bayerischer Sicht zu erzählen. Einerseits brachte Napoleon Glanz, Ruhm und Modernität: die Königskrone, ein vergrößertes und zusammenhängendes Territorium, die erste liberale und fortschrittliche Verfassung sind Zeugen des Bündnisses. Andererseits brachten die ständigen Kriegszüge Tod und Verderben nach Bayern, viele bayerische Soldaten starben im Ausland. Der Tod von mehr als 30 000 bayerischen Soldaten 1812 in Russland ist bis heute im Gedächtnis der Menschen geblieben.

Die Besucher der Ausstellung tauchen in dieses mehr als aufregende Vierteljahrhundert bayerischer Geschichte ein. 350 originale Objekte, kostbare und unscheinbare Stücke, prunkvolle und anrührende Dinge aus den Beständen des Bayerischen Armeemuseums, aus österreichischen, russischen und französischen Museen sowie aus Privatbesitz, mediale Inszenierungen und Mitmach-Elemente, zeigen die Entscheidungen der "großen" Politik auf.

Sie erzählen von den Menschen, die als Politiker, als Soldaten, als einfache Frauen und Männer, diese Zeit gestalteten, erlebten und oft genug auch erlitten. Bis heute finden sich zahlreiche Spuren napoleonischer Zeit in Bayern. Nach der fast 25-jährigen kriegerischen Epoche war das Land ausgeblutet und bankrott, aber durch Napoleon wurde Bayern auch zum Königreich und modernen Staat.

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Digitales Zeitalter

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"Wenn man dann als Oberst von Napoleon mit auf einen Kriegszug genommen wird, ist das ein durchaus zweifelhaftes Vergnügen", schildert Hamm ihre Erfahrung mit dem I-Pad-Guide. Allerdings sei das Konzept "Schüler führen Schüler" einzigartig und habe Vorbild-Charakter. Hamm sagt zudem, dass solche Projekte nicht mit dem herkömmlichen Ausstellungs-Etat zu finanzieren seien. Deshalb dankt sie der Stadt Ingolstadt, die die I-Pads als Leihgabe zur Verfügung stellt.

Christian Siebendritt, Referent des Ingolstädter Oberbürgermeisters Christian Lösel, spricht von einer Selbstverständlichkeit und zeigt sich von der bisherigen Resonanz der Bayerischen Landesausstellung angetan: "Seit April hatten wir bereits über 30 000 Besucher und bis Oktober sind noch mehr als 600 Führungen gebucht." Das Konzept des I-Pad-Guides steht sinnbildlich für das digitale Zeitalter, in dem Whatsapp und Facebook zum Alltag gehören: "Museen müssen ihren Standard anpassen, wenn sie auch jüngere Leute ansprechen wollen."

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Bayerische Landesausstellung 2015 "Napoleon und Bayern", Ingolstadt Neues Schloss, Bayerisches Armeemuseum, Paradeplatz 4, 85049 Ingolstadt, 30. April bis 31. Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. www.hdbg.de/napoleon
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