Schützen allein geht auch nicht

In der Nähe des Taubenbacher Forsthauses kann sich der Biber ungestört austoben. "In Überschwemmungsbereichen wird auf die forstliche Nutzung verzichtet", erklärt Forstbetriebsleiter Thomas Verron dazu. Bilder: sön
 
Forstbetriebsleiter Thomas Verron präzisierte die Inhalte des Naturschutzmanagements an einer Karte.

Mehr Rücksichtnahme auf Natur und Erholung - diesen Anspruch stellt die Gesellschaft gern an den bewirtschafteten Staatswald. Die Bayerischen Staatsforsten wissen darum, aber sie können nicht jeden Wunsch erfüllen. Einige haben bei ihnen jedoch gute Karten.

(sön) Mit einem deutlichen und klaren Ja zum Naturschutz im Staatswald eröffnete Bereichsleiter Walter Faltl aus der Unternehmenszentrale der Bayerischen Staatsforsten die Vorstellung des neu erstellten Naturschutzkonzepts für den Forstbetrieb Burglengenfeld im Vilstalzentrum in Vilshofen. Faltl betonte vor Vertretern von Politik, Naturschutzverbänden und Verwaltungen aber gleichzeitig, "dass pauschale Flächenstilllegungen und Ausweisungen von Großschutzgebieten aus Sicht der Staatsforsten nicht der Weg in die Zukunft sind". Ein integratives Modell weise eine wesentlich größere Flächenwirkung auf.

Forstbetriebsleiter Thomas Verron präzisierte die Maßnahmen des Naturschutzmanagements. Er betonte: "Der Betriebsbereich ist aus historischen Gründen nicht mit einer Vielzahl an uralten naturnahen Waldbeständen ausgestattet." Die ursprüngliche Laubholzbestockung sei nur mehr in unzugänglicheren Kuppen- und Hanglagen sichtbar. Es gelte also, in Zukunft aus dem nachwachsenden Potenzial zu schöpfen und die naturschutzfachlich wertvollsten Altbestände dauerhaft zu erhalten und ausreifen zu lassen.

Auf dem besten Weg sei man bereits bei der Mehrung des für viele Pilze und Insekten, insbesondere Käferarten, so wichtigen Totholzes. Die Steuerung der Brennholzselbstwerber sei dabei eine entscheidende Aufgabe, "damit die wertvollen Strukturelemente wie Baumstümpfe und Wipfelbrüche oder einzelne Bäume nach Windwürfen im notwendigen Umfang erhalten bleiben".

Kein Pestizid im Wald

Bei der Kulturbegründung werde das Artenspektrum über standortangepasste seltene Baumarten wie Elsbeere, Mehlbeere, Bergulme, Sommerlinde, Eibe und Tanne angereichert. Weichlaubhölzer erführen an den Bestandsrändern gezielte Pflege, um Insekten und seltenen Schmetterlingen Hauptnahrung und Entwicklung zu bieten. Intakte Waldränder aus heimischen Sträuchern seien ideale Vogelbiotope. Bei der Holzernte werde auf schützenswerte Pflanzen- und Quellstandorte besondere Rücksicht genommen. Auf Pestizid- und Düngeeinsätze verzichte man bei der Waldwirtschaft.

Verron stellt den bayerischen Weg der naturnahen integrativen Waldbewirtschaftung heraus. Dies heiße, auf ganzer Fläche im abgestimmten Verbund zu wirtschaften und gleichzeitig Waldnaturschutz zu betreiben. "Den Bayerischen Staatsforsten immer nur den rein wirtschaftlichen Blick zu unterstellen, geht an der Realität vorbei. Des Försters Herz schlägt für den Gesamtlebensraum Wald", sagte er.

Selbst an Nischen gedacht

Interessenkonflikte würden über das erarbeitete Naturschutzkonzept gelöst. Natürliche Trittsteine, über den ganzen Raum verteilt, sollen den Austausch eines vielfältigen Artenspektrums gewährleisten. Alle schützenswerten Arten stünden gleichermaßen im Fokus, Nischenspezialisten erhielten entsprechend zugeschnittene Strukturen. "Schützen und nutzen" könne hierfür das Schlagwort heißen.
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