Schwammerlfreunde in Neustadt: Den Pilzen auf der Spur
Feuer im Zunderschwamm

"In früheren Jahrhunderten waren Pilze eher unheimliche Wesen. Auf einmal waren sie da, dann wieder weg", weiß Förster Andreas Arnold. Aber auch heute noch begegnen manche Menschen den Schwammerln mit gewissem Respekt.

Neustadt/WN. (bgm) Erstmalig hatte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei der Woche des Waldes eine Pilzwanderung veranstaltet. Förster Andreas Arnold, der seine Diplomarbeit über Holzpilze verfasst hatte, führte rund 40 Schwammerlfreunde durch das Waldgebiet "Bärnloch" im Sauerbachtal.

5500 bekannte Großpilze

"In Deutschland gibt es rund 5500 bekannte Großpilze", erklärte der Experte vom Forstrevier Neuhaus. 300 davon seien essbar und nur rund 200 giftig. Dabei befinde sich der eigentliche Pilz, das sogenannte Mycel, unter der Erde. Und das kann riesige Ausmaße annehmen. Das Mycel eines in Japan gefundenen, 2400 Jahre alten Hallimaschs, erstreckte sich über neun Quadratkilometer. "Für das Pilzwachstum sind Bodentemperatur, Feuchtigkeit, Säuregehalt und die Art der forstwirtschaftlichen Nutzung entscheidend."

Für etliche Sorten scheinen diese Bedingungen im Sauerbachtal ideal zu sein. Bekannte Namen wie Steinpilz oder Zigeuner machten sich zwar rar, dafür fand die Gruppe den olivbraunen Milchling, den violetten Lacktrichterling oder den Milchbrätling. "Am besten schmeckt der einfach in Butter gebraten", gab Arnold Tipps zur Zubereitung. Dass Schwammerl nicht nur zum Essen verwendet werden können, erklärte der Förster anhand des Birkenporlings. Schon Ötzi, die bekannte Eismumie aus der Jungsteinzeit, hatte einen solchen bei sich getragen, um die wundstillende Wirkung des Pilzes zu nutzen. Nachahmen empfiehlt sich aber nicht. Ein Bekannter von Arnold hatte damit schon weniger gute Erfahrungen gemacht.

Der Zunderschwamm - auch ihn hat man bei Ötzi gefunden - könnte dagegen noch heute problemlos verwendet werden. Eine spezielle Schicht dieses Baumpilzes glüht sehr lange. Die Steinzeitmenschen transportierten damit Feuer über lange Strecken.

Nicht mit leeren Körben

Mit leeren Körben mussten die Schwammerlsucher nicht nach Hause gehen. Einige hatte Pfifferlinge gefunden und aus derselben Pflanzenfamilie den Trompetenpfifferling. "Ein sehr guter Speisepilz, ein Geheimtipp", verriet Arnold.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.