Schwarz und etwas fleckig

Inmitten der bunten Hausfassaden wirkt das Schirndingerhaus am Egerer Marktplatz (rechts) jetzt düster und abweisend. Bild: gjb

Der Marktplatz von Eger/Cheb gilt als einer der schönsten Plätze im Herzen Europas. Doch seit der Neugestaltung des gotischen Schirndingerhauses gibt es aber auch viele kritische Stimmen.

Gegen Ende des vergangenen Jahres bekam dieses Gebäude eine schwarze, etwas fleckige Fassade, die sehr düster wirkt. Trotz der ockerfarbenen Fensterumrandungen und des dunkelroten Spitzbogenportals sieht das Haus nun herb und abweisend aus. "Einfach abscheulich", so schimpft lauthals eine zornige Bürgerin der Stadt. "Man könnte meinen, hier hätte es einen Brand gegeben", meint kopfschüttelnd ein anderer Betrachter. Ein spöttischer Tourist vergleicht das neugestaltete Gebäude sogar mit einem Krematorium.

Die Meinungen über die neue Fassadengestaltung sind kontrovers: Es gibt nur leidenschaftliche Gegner oder zufriedene Befürworter des schwarzen Hauses. "An der Originalfassade wurden insgesamt drei Mauerverputzungen entdeckt, die im wesentlichen gleichen Charakters sind, das heißt grob und mit nahezu schwarzer Wandfarbe," so das Urteil von Jakub Chaloupka, Experte des Národní památkové ústav (Nationales Denkmalsinstitut). So kam es zur Entscheidung für den neuen, schwarzen Anstrich. Zu den Befürwortern der neuen Fassadengestaltung zählt der neue Bürgermeister von Cheb, Petr Navrátil: "Mir hat das Haus von Anfang an gut gefallen." Daniela Seifertová, seine Stellvertreterin, schließt sich dieser Meinung an. Der zweite stellvertretende Bürgermeister, Pavel Hojda, teilt diese Begeisterung jedoch nicht: "Mir hat es überhaupt nicht gefallen, aber ich respektiere das, denn es handelt sich um eine Rückkehr zum ursprünglichen Aussehen." Viele Betrachter können es aber nicht glauben, dass diese sehr düster wirkende schwarze Fassade tatsächlich historisch verbürgt sein soll. Schließlich gibt es alte Ansichtskarten von Eger, auf denen das Schirndingerhaus eine dunkelrote Fassade hat. Deshalb fragen sich viele Leute: Kann es vielleicht sein, dass ein ursprünglich roter Anstrich sich durch Witterungseinflüsse und durch Verschmutzung erst im Laufe vieler Jahre so dunkel verfärbt hat?

Denkmal des Jahres 2014

Man kann sich nicht vorstellen, dass in der Zeit des Mittelalters dieses repräsentative Gebäude, der Stolz eines reichen Patriziers, so wenig einladend angestrichen wurde. Zweifelnd wird die Frage gestellt, ob das Urteil des staatlichen Experten richtig war. Am 2. März besuchte eine Kommission von Vertretern des Ministeriums für regionale Entwicklung, des Kulturministeriums und des Verbandes Historische Denkmäler von Böhmen, Mähren und Schlesien die Stadt. Cheb beteiligt sich an einem Wettbewerb um das Prädikat "Historische Stadt".

Die Zuversicht ist groß - und den Sieger in diesem Städtevergleich erwartet eine Prämie von 100 000 Kronen zur Förderung weiterer Projekte. Gleichzeitig beteiligt sich Cheb auch noch bei dem Wettbewerb "Denkmal des Jahres 2014". Hier geht es um die erfolgreiche Restaurierung von einzelnen Kulturdenkmälern und Gebäuden. Zu diesem Wettbewerb hat die Stadt das Schirndingerhaus angemeldet.

Am 17. April sollen die Sieger auf der Prager Burg bekanntgegeben werden. Mit gutem Grund kann Cheb auf das Prädikat "Historische Stadt" hoffen. Von vielen Leuten bezweifelt wird aber eine Prämierung für die schwarze Fassade des Schirndingerhauses.
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