Schweine fühlen sich sauwohl - Besitzer leiden unter historischem Tiefstpreis
Fleischpreis gefährdet Existenz

In diesem abgeschnittenen Rohr befindet sich nicht etwa das Futter der Schweine. Das liegt hinten im Trog. In dem aufgehängten Gefäß ist Stroh. Es animiert die Tiere zum Schnuppern und wird so zu einer Art Spielzeug, das laut Stefan Schönberger für Zeitvertreib und Ablenkung sorgt. Bild: Wolfgang Steinbacher
 
Barbara Schönberger: "Ich kann meine Sauen ja nicht in Altersteilzeit oder Kurzarbeit schicken." (Bild: Steinbacher)

Die Ferkel von Barbara und Stefan Schönberger haben es gut. Genügend Platz, ausgewogene Ernährung, Spielzeug, kontrollierte Wohnraumbelüftung und immer die richtige Temperatur. Ihre Besitzer fühlen sich aber alles andere als sauwohl. Der Preis für Schweinefleisch ist im freien Fall und gefährdet auf Dauer die Existenz der Familie.

Rund 120 Mutterschweine leben in den Stallungen der Schönbergers, dazu kommen die etwa 1000 Mastschweine, die bei Utzhütte (Haselmühl) aufwachsen und durch ihren Verkauf dafür sorgen, dass die siebenköpfige Familie ernährt werden kann. Barbara und Stefan Schönberger haben drei Kinder, auch Oma und Opa gehören zum Haushalt.

Doch Vater und Mutter müssen immer öfter mit spitzer Feder kalkulieren. Pro Kilogramm Schwein erhalten sie aktuell 1,28 Euro - laut Landwirt ein historischer Tiefstpreis. Durchschnittlich gab es in den vergangenen Jahren 1,50 Euro.

Pro Tier 30 Euro weniger

22 Cent weniger. Was im ersten Moment für Außenstehende nicht dramatisch klingen mag, hat für Stefan Schönberger ernsthafte Konsequenzen: "Ein Schwein hat so 90 bis 95 Kilo, wenn wir es verkaufen. Das heißt, wir bekommen pro Tier jetzt 120 Euro. Wir bräuchten aber 150 Euro, um alle Kosten decken zu können." Pro Schwein ist das ein Defizit von 30 Euro, bei 1000 Tieren kämen schnell 30 000 Euro zusammen, die in der Kasse fehlen. "Wenn sich das zwei Jahre durchzieht, müssen wir auf diesen Betriebszweig verzichten."

Drei Draufzahlmonate haben die Schönbergers bereits hinter sich. Anfang Oktober seien die Preise massiv eingebrochen, von heute auf morgen habe es 20 Cent pro Kilogramm weniger gegeben. Begründet worden sei das vor allem mit der Tatsache, dass Russland die Einfuhr von Schweinefleisch aus der Europäischen Union gestoppt hat. Doch das sei schon im Januar 2014 so gewesen. Warum der Markt erst im Herbst nachgegeben hat, geht Schönberger nicht ein.

Eine Art Vorreiterrolle

Am Donnerstag schilderte er Franz Kustner (Ehenfeld), Präsident des Oberpfälzer Bauernverbandes (BBV), die Problematik. Bei diesem sogenannten Stallgespräch, das in der Küche der Schönbergers geführt wurde und das der BBV landesweit anbietet, ging es auch ganz grundsätzlich um die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft - im speziellen der Schweinemast.

Der Landkreis befindet sich laut Kustner dabei in einer Art Vorreiterrolle. Bei der Fütterung der Vierbeiner komme, wie bei den Schönbergers, Eiweiß in Form von Raps immer öfter aus eigenem Anbau. "Wir können 80 Prozent von Soja-Schrot einsparen", ergänzte Stefan Schönberger, der wie Kustner einen enormen Vorteil für die Ernährung und damit auch die Züchtung sieht. Die Hintergründe erklärte Barbara Schönberger. Während Soja bitter schmecke, tendiere Raps eher in Richtung Nuss und munde den Tieren besser. Das wiederum wirke sich positiv auf die Nahrungsaufnahme und damit auf das Wachstum aus.

Was dem Landwirt aus Utzhütte zudem das Leben schwer macht, sind die vielen Auflagen. Zum Beispiel die Gruppenhaltung der Sauen. Schönberger, der Stallbau-Berater war, bevor er die väterliche Landwirtschaft übernahm, hält sich daran, sieht aber nicht immer einen Sinn darin. "So eine Sau ist extrem futterneidisch und hat ein starkes Hierarchie-Denken." Soll heißen: Es gebe immer ein dominantes Tier, das schwächere Artgenossen unterdrücke, die sich dann unterordneten. Auch beim Fressen: "Die verhungern auf Deutsch gesagt vor dem vollen Trog."

Die Politik könne es einem Landwirt sehr wohl zutrauen, die Haltungsproblematik nach Bedarf selbst zu regeln. Stefan Schönberger: "Jeder ist darauf aus, dass er das in den Griff kriegt." Je besser es den Tieren gehe, desto besser sei die Qualität und damit auch der Umsatz.

"Eine Katastrophe"

Zudem ist die Erfüllung der Auflagen laut Barbara Schönberger stets mit einem gewissen finanziellen Aufwand verbunden. Mit Blick auf den sinkenden Fleischpreis sagte sie: "Ich habe nicht das Geld dazu, noch mehr für das Tierwohl zu tun, wenn ich schon von der Substanz lebe." Auch auf Zeit spielen und warten, bis die Preise wieder steigen, komme nicht infrage: "Ich kann meine Sauen ja nicht in Altersteilzeit oder Kurzarbeit schicken." Ein Betrieb wie der ihrer Familie müsse Rücklagen bilden und natürlich auch investieren können. Das sei im Moment aber nicht möglich: "So ist es eine Katastrophe." Ihr Mann bestätigte: "Es geht richtig brutal an die Substanz."
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