Schwere Krise

Felix von Cantalice konnte weder lesen noch schreiben. Er war ein einfacher Schafhirt und Bettler. Trotzdem ist aus dem Kapuzinerbruder ein vielbeachteter Heiliger geworden, der noch überall auf der Welt verehrt wird. Der Orden feiert heuer den 500. Geburtstag seines großen Sohnes.

Der heilige Felix kommt 1515 in dem kleinen Ort Cantalice in der Provinz Rieti, 90 Kilometer nordöstlich von Rom, als Sohn armer, sehr frommer Bergbauern auf die Welt. Er hat drei Brüder und eine Schwester. Die ärmlichen Verhältnisse zwingen ihn, schon als Kind schwere Arbeiten auf dem Feld zu verrichten und die Schafe der Eltern zu hüten. Dabei fertigt er kleine Kreuzchen aus Holz, vor denen er andächtig betet. Sein Novizenmeister sagt später einmal: "Mir scheint, Bruder Felix betet ohne Unterlass." Mit zwölf Jahren muss er als Viehhüter ins mehrere Kilometer entfernte Cittá Ducale.

Nach einem Unfall mit einem Ochsenwagen, den Felix wie durch ein Wunder unverletzt überlebt, tritt er als 28-Jähriger in den erst 1528 gegründeten Kapuzinerorden ein. Nach der Erstprofess kommt er 1545 ins Kapuzinerkloster in Rom.

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Die junge Gemeinschaft befindet sich in einer schwierigen Situation. Der Generalvikar ist zum Protestantismus übergetreten. Papst Paul III. hegt Gedanken, die neue franziskanische Familie zu verbieten. Mit seinem heiligmäßigen Leben trägt Bruder Felix dazu bei, dass der Orden die Krise überwindet.

Felix - der Glückliche - fällt sehr schnell durch sein Streben nach Vollkommenheit auf. Der Analphabet rühmt sich, dass er nur fünf Buchstaben kann: die fünf Wundmale Jesus. In seiner Kreuzesliebe nimmt er gerne Opfer auf sich. Der Ordensobere betraut ihn mit dem demütigenden Dienst des Sammelbruders. 40 Jahre lang, von 1547 bis 1587, zieht er bei seinen Bettelgängen in Kutte und Sandalen durch die Straßen Roms. Er nimmt entgegen, was ihm die Leute anbieten - manchmal sind es auch nur Spott und Hohn. Allen aber sagt er ein fröhliches "Deo Gratias". Bald ist er überall nur als "Bruder Deo Gratias" bekannt.

Seine Begegnungen mit den Menschen sind ehrlich: Er ermutigt, tröstet, unterrichtet Unwissende, singt mit den Kindern, weist aber auch Sünder zurecht. Er verteilt seine Holzkreuze und betet für alle. Felix will immer den Menschen dienen. Er will ein Lastesel sein und auch im hohen Alter "lieber unter dem Sattel" sterben, als angebotene Erleichterungen anzunehmen.

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Große Wundertaten

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Dieses Bettelbruder-Sein ist heute noch Vorbild. Felix, ein wahrer Bruder, lebt die Armut mit Freude. Er ist damit so zufrieden, dass er sagt: "Mir geht es besser als dem Papst. Der hat mit Mühseligkeiten und Schwierigkeiten zu tun, aber ich freue mich an dieser Welt."

Der schlichte Mann aus Cantalice ist mystisch begnadet. In den Nächten, die er stundenlang vor dem Tabernakel verbringt, hat er zahlreiche Visionen der Mutter Gottes. Einmal beobachtet ein Bruder, wie Maria ihm das Jesuskind in die Arme legt. Er soll Kranke geheilt und tote Kinder wiederbelebt haben. Felix kann auch in die Zukunft schauen. So prophezeit er Sixtus V., dass er trotz seines hohen Alters Papst werden würde, und auch den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht bei Lepanto sagt er voraus. Der Ordensmann begegnet allen Heiligen seiner Zeit, darunter Ignatius von Loyola, Franz Borgias und Pius V. Mit Karl Borromäus und Philip Neri ist er freundschaftlich sehr verbunden. Viele Bischöfe, ja sogar Kardinäle suchen seinen Rat.

Als "Bruder Deo Gratis" am 18. Mai 1587 mit 72 Jahren stirbt, läuft ganz Rom zusammen. Die Beerdigung ist ein Triumphzug, an seinem Grab, so wird berichtet, geschehen Wunder. Am 22. Mai 1712 spricht Papst Clemens XI. Felix heilig. Er ist der erste und meist verehrte Heilige der Kapuziner, bis ihn erst vor wenigen Jahren Pater Pio abgelöst hat. In der Santa Maria Immacolata in der Via Veneto, nahe der Piazza Barberini, hat er seine letzte Ruhe gefunden. Hier ist auch noch seine Zelle erhalten.
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