Schwindel und Amnesie

film30gunman_bild.jpg

Auf bemerkenswerte Art anachronistisch ist der Action-Film "The Gunman", mit dem sich Sean Penn jetzt auf großer Leinwand zurückmeldet. Er folgt damit dem Beispiel seiner ebenfalls eher für seriöse Stoffe bekannten Kollegen Liam Neeson und Kevin Costner.

Sean Penn hat sich ziemlich rar gemacht in den vergangenen Jahren. Es gab kleine und mittelgroße Rollen in Filmen wie "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty", dem enigmatischen "The Tree of Life", Auftritte in Werken wie "Gangster Squad". Wirklich für Furore aber sorgte der US-Schauspieler zuletzt mit seiner oscarprämierten Performance in Gus Van Sants "Milk" (2008). Nun meldet sich Penn mit einer Hauptrolle zurück, in der er zudem hie und da zeigen darf, was er alles drauf hat. Diesmal gibt Penn einen Ex-Söldner, den sein Vorleben mit aller Brutalität einholt.



Jim Terrier (Penn) hat sich als Söldner auf dem afrikanischen Kontinent verdingt, bis er, der geübte Scharfschütze, den Bergbauminister des Kongos ermorden soll. Nach dieser Tat muss Terrier nicht nur Afrika, sondern auch seine Geliebte zurücklassen. Acht Jahre später baut Terrier im Kongo Brunnen für eine Hilfsorganisation, wohl auch, um sich ein wenig rein zu waschen von all seinen Sünden.

Die Vergangenheit aber, sie ist unbarmherzig. In Form eines Killerkommandos holt sie Terrier ein. Knapp nur kann er überleben. Und will mit Hilfe von alten Freunden herausfinden, wer ihm nach dem Leben trachtet. Eine gefährliche Suche, die dadurch erschwert wird, dass Terrier unter rätselhaften Schwindelattacken und Gedächtnisverlust leidet.

"The Gunman" ist ein durch und durch altmodisches Werk, vom Titel und einer eher altbackenen Story bis hin zum kuriosen Namen des Hauptdarstellers (Terrier!). Zwar gibt es politische Untertöne, die aber meist zu verschwinden drohen im Actiongewimmel; der Film nimmt sich ernster als er vielleicht sollte, ein wenig mehr an Ironie hätte sicher gut getan.

Frauen unterrepräsentiert

"The Gunman" ist ein teils sehr brutaler Männer-gegen-Männer-Film, in dem Frauen bestenfalls am Rande vorkommen. Terriers große Liebe (Jasmine Trinca) etwa ist derart wenig komplex angelegt, dass es fast an Frauenfeindlichkeit grenzt.

Am besten funktioniert der Film als Star-Vehikel, als Plattform für Sean Penn, der sich hier wieder in einer veritablen Hauptrolle präsentiert. Nicht zuletzt verblüfft der bald 55 Jahre alte Darsteller dabei mit einem Körper, an dem sich die Muskelberge nur so türmen. Der französische Regisseur Pierre Morel hat in "96 Hours - Taken" bereits dem angegrauten Liam Neeson (62) zum Action-Durchbruch verholfen, Kevin Costner (60) durfte in "3 Days to kill" mit der Waffe im Anschlag ein Comeback feiern - beide Filme produzierte Starregisseur Luc Besson ("Nikita").

Bei aller Kritik an "The Gunman" ist es schließlich einfach schön, einmal wieder so viel von Sean Penn in einem Film zu sehen.

___

Regie: Pierre Morel - Mit Sean Penn, Javier Bardem, Idris Elba, Jasmine Trinca - Musik: Marco Beltrami - 115 Minuten - frei ab 16 Jahren - www.thegunman.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.