Schwurgericht muss Licht ins Dunkel eines Mutter-Sohn-Konfliktes bringen - 34-Jähriger erneut ...
Brandstiftung als Vorstufe zu einem Tötungsversuch?

Wollte er seine Mutter heimtückisch umbringen? Vor dem Amberger Schwurgericht bestreitet das ein 34-Jähriger und wehrt sich gegen den Verdacht, dass er in einem Ort bei Neunburg vorm Wald nur deswegen Feuer in einem Wohnhaus legte, um die 60 Jahre alte Frau in den Flammen umkommen zu lassen.

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber muss eine schwere Aufgabe lösen. Es soll sich in einer umfangreichen Beweisaufnahme eine Meinung darüber bilden, ob ein auf der Anklagebank sitzender junger Mann in Tötungsabsicht handelte. Überzeugt davon war heuer im August das Schöffengericht. Deshalb verwies es den Fall an das Landgericht (wir berichteten).

Es gibt unstrittige Tatsachen in diesem Verfahren. Der 34-Jährige, als Gewohnheitstrinker geltend, gibt zu, dass er am späten Abend des 25. Oktober letzten Jahres im Zustand erheblicher Alkoholisierung Feuer in dem gemeinsam mit seiner Mutter bewohnten Haus legte. Erwiesen ist, dass er mit ihr ständig Streit hatte, weil sie ihm seine Trunksucht vorhielt und ihn aufforderte, einen Entzug anzutreten. Das nervte den Sohn. Zumal der Vater kurz vor der Brandlegung verstorben war. Er, der ebenfalls dem Alkohol zusprach, wird nun im Prozess als einzige Bezugsperson des Angeklagten geschildert.

Erklärung über Anwältin

Doch da war noch etwas, das heuer im August die Schöffenrichter stutzen ließ: Bevor es an der ins Obergeschoss führenden Treppe zur Brandstiftung unter Zuhilfenahme von ausgeschütteter Nitroverdünnung kam, hatte der 34-Jährige eine Vielzahl persönlicher Unterlagen in das vor dem Anwesen stehende Auto seines Vaters verladen und auch drei Hunde, die dem Vater gehörten, in den Wagen springen lassen.

Die Mutter befand sich im Obergeschoss. Die Tür zu ihrem Schlafzimmer will der Angeklagte noch geschlossen haben, bevor er mit einem Feuerzeug den Brand entfachte. "Damit ihr nichts geschieht", sagte er später zu einem Kriminalbeamten. Doch als ihn der Fahnder bei einer Vernehmung fragte, ob er die Frau habe töten wollen, kamen mehrere Antworten. Eine lautete: "Nein". Dann aber ließ er anklingen: "Kann schon sein."

Mit drei Hunden weg

Der 34-Jährige äußert sich vor dem Schwurgericht nicht. Er ließ allerdings durch seine Anwältin Claudia Schenk (Regensburg) eine Erklärung verlesen, in der es hieß: "Ich wollte sie nicht töten." Die entfachten Flammen waren seinerzeit von selbst ausgegangen. Das konnte der Täter nicht ahnen. Er fuhr unter Mitnahme seiner persönlichen Habe und der drei Hunde mitten in der Nacht zum Grab seines Vaters, verharrte dort kurz und setzte seine Tour in Richtung Rötz fort. Am Eixendorfer Stausee wendete er und kehrte an den Tatort zurück. Dort nahm ihn die Polizei fest.

Wohin wollte der Mann, als er zu später Stunde Richtung Rötz fuhr? "In eine Trinkerheilanstalt bei Furth im Wald", wird jetzt behauptet. Daraus ergaben sich Fragen: "Mitten in der Nacht? Mit drei Hunden?" Schlecht vorstellbar für das Schwurgericht. Auf der langen Zeugenliste kamen am ersten Prozesstag vier weitere Personen dazu. Auf ihre Vernehmung legt der Angeklagte Wert.

Zu den für ihn wichtigen Unterlagen, die im Wagen deponiert wurden, zählte für den 34-Jährigen auch eine Kranzschleife, die von einem am Grab des Vaters niedergelegten Gebinde stammte. Für dessen Tod - und auch das ist unstrittig - hatte der Beschuldigte seine Mutter zumindest teilweise verantwortlich gemacht. Der Prozess wird heute fortgesetzt.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.