Schwurgericht: Tat eines 34-Jährigen ohne Tötungsabsicht - Haftstrafe weit unter dem Antrag der ...
Brandstiftung in schwer depressiver Lage

Die Entscheidung sorgte für Spannung. "Es war kein Mordversuch", urteilte das Amberger Schwurgericht am Freitag kurz vor Mittag und ersparte damit dem Angeklagten eine langjährige Haftstrafe. Der 34-Jährige aus dem Raum Neunburg vorm Wald muss wegen versuchter schwerer Brandstiftung, Sachbeschädigung und versuchter Körperverletzung für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter.

Es hatte vieles gegen den Mann gesprochen, der an einem Oktoberabend letzten Jahres Feuer in dem gemeinsam mit seiner Mutter bewohnten Haus bei Neunburg vorm Wald legte (wir berichteten). Er wusste, dass sich die 60-Jährige im Obergeschoss zur Ruhe begeben hatte, packte seine persönliche Habe zusammen, lud außerdem drei Hunde in ein Auto und fuhr davon. Genau das war es, was heuer im August das Amberger Schöffengericht stutzen und zu der Überzeugung kommen ließ, dass hier jemand gezielt und planvoll den Tod der eigenen Mutter haben wollte.

Entzug angeordnet

Das Schwurgericht, zu dem der Fall überwiesen worden war, kam zu einer ganz anderen Auffassung. "Es war kein Mordversuch", stellte die Richterin Roswitha Stöber in ihrer Urteilsbegründung fest. Damit verdeutlichte sich gleichzeitig: Der 34-Jährige muss nicht, wie Staatsanwältin Franziska Bücherl beantragt hatte, für fast acht Jahre hinter Gitter.

Was aber war es dann? Darauf gab Richterin Roswitha Stöber eine Antwort: "Versuchte schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung und versuchte Körperverletzung." Dafür bekam der sichtlich erleichterte Angeklagte zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis. Für ihn wurde außerdem eine längerfristige Alkoholentzugstherapie angeordnet. Das bedeutet: Er wird sehr wahrscheinlich nicht in eine Justizvollzugsanstalt einrücken müssen.

Was führte das Schwurgericht zu seiner Meinung? Die Vorsitzende beschrieb den 34-Jährigen als einen Mann, der nach dem Tod seines von ihm hoch verehrten Vaters im September 2014 mehr und mehr im Alkohol versank, sich abschottete und zurück zog.

Bei der Brandlegung sei er in einem psychischen Ausnahmezustand und mit erwiesenen 2,6 Promille total betrunken gewesen. "Sein Vorgehen war nicht planvoll und es zielte auch nicht darauf ab, dass seine Mutter sterben sollte", fasste Stöber die Eindrücke des Schwurgerichts zusammen. "Ein Mensch in schwer depressiver Lage, der womöglich verletzen, aber nicht töten wollte."

Auf Weg zu Klinik

Aber warum hatte der 34-Jährige nach der Brandstiftung, in deren Folge die Flammen von selbst erloschen, seine persönliche Habe und drei seinem verstorbenen Vater gehörende Hunde in ein Auto verladen und war weggefahren? Die dazu folgende Begründung vermochte zu überraschen. Der Mann hatte während des Prozesses anklingen lassen, er habe in dieser Nacht in eine Alkoholklinik bei Furth im Wald gewollt. Das glaubte ihm das Schwurgericht tatsächlich.

Im Prozess hatte eine Bedienstete der Klinik ausgesagt, ein solches Vorgehen sei zwar außergewöhnlich, komme aber gelegentlich vor. Doch eine Chance zur Sofortaufnahme hätte er nicht gehabt.

"Man muss seinen Zustand sehen", formulierte Richterin Stöber und erinnerte daran, dass der 34-Jährige nach der Tat mehrfach äußerte, er habe seine Mutter nicht töten wollen. Es hatte aber auch Angaben aus seinem Mund gegeben, die gänzlich anders lauteten.
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