Sechs-Millionen-Anleihe

FC Nürnberg mag zweitklassig sein, seine Geschichte ist mit neun Meistertiteln - den zweitmeisten hinter den Bayern - immer noch erstklassig. Das sieht man auch im FCN-Museum am Valznerweiher.

Krasser könnte der Unterschied nicht sein: Auch diese Zahlen verdeutlichen, wie weit sich beide Traditionsvereine mittlerweile voneinander entfernt haben: Der FC Bayern München präsentiert in seiner gigantischen Erlebniswelt auf 3000 Quadratmetern die glorreiche Geschichte, die großen Erfolge. Multimedia in allen Variationen. Licht- und Showeffekte. Ein Weltklub. Und da der Club: Dem 1. FC Nürnberg reichen 135 Quadratmeter für seine ereignisreiche Historie. Günther Koch, einstiger Kult-Radioreporter und jetziger Aufsichtsrat beim FCN, ist nicht neidisch auf den übermächtigen Konkurrenten aus dem bayerischen Süden: "Wir haben hier zwar das kleinste, dafür aber auch das feinste Fußballmuseum."

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Seit 2012 existiert die Ausstellung im Erdgeschoss des neuen FCN-Geschäftskomplexes. "Ohne Spendenbereitschaft der Fans wäre das gar nicht möglich gewesen", erinnert sich Koch. Mit einer Sechs-Millionen-Euro-Anleihe finanziert der Verein das neue Funktionsgebäude des wieder einmal in der Zweitklassigkeit gelandeten Clubs. Und dabei wird schnell die Idee eines Fußballmuseums geboren. "Das ist das Herz des Clubs", sagt Koch und blickt sich andächtig um. Der einstige Lehrer und Journalist macht mächtig Werbung für die Tour, führt auch selbst durch die ruhmreiche, aber auch so wechselhafte Geschichte des neunfachen deutschen Meisters. Hinten in einer Ecke erklärt er gestenreich - so wie man ihn kennt - wer auf dem Schwarz-Weiß-Foto zu sehen ist. "Hier heult der Leupold", sagt er mit seiner markanten Stimme.

Horst Leupold war 1969 mit der Club-Mannschaft als Meister abgestiegen. Auch eine einmalige "Leistung" der Nürnberger. Ein Kapitel zum Heulen - auch für die Fans. Dann spielt der Aufsichtsrat multimediales Club-Memory mit einem Fan. Alle Club-Spieler tauchen auf dem Bildschirm auf. "Das ist der Mike Kluge", sagt Koch. "Peer Kluge", verbessert ihn ein Schüler. Ja, es gibt sie noch, die jungen Club-Fans, die alles wissen. Natürlich weiß Koch, dass es der Peer ist. Er freut sich aber, dass die Leute mitmachen: "Und von einigen kann ich ja auch noch etwas lernen", sagt er augenzwinkernd.

Aber natürlich kennt Koch fast alle Details über Ausstellungsstücke, die teilweise auch von Fans zur Verfügung gestellt wurden. Vor allem aus Zeiten, die noch glorreicher waren: Die Mütze von Heiner Stuhlfauth liegt da. Ohne sie betrat der legendäre Keeper nie ein Tor. Und es gab auch Zeiten, in denen beim Club Weltmeister spielten: Max Morlocks Trikot mit der Nummer 13 aus dem WM-Finale von Bern ist ein echter Hingucker. Noch viel frischer in Erinnerung ist den Fans ein anderer Torjäger: Marek Mintal. Die Torjägerkanone des "Phantoms", die dieses für seine 24 Tore in der Saison 2004/05 bekam, ist zu bestaunen.

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Halbfinale oder Aufstieg

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Daneben glänzt ein Trikot des AS Rom. "Meine schönste Ecke hier im Museum", schwärmt Koch. Damals lag Fußball- Nürnberg auf der europäischen Landkarte. Im Herbst 1988 siegte der Club in Rom mit 2:1. Günther Koch war natürlich damals in der Ewigen Stadt dabei, seine Originalreportage von damals kann man noch einmal hören, wie so viele andere auch. Das Rückspiel wurde allerdings mit 1:3 verloren - der Club war raus.

Mehr als 75 Filme vom FCN sind zu sehen, in 45 Vitrinen sind 125 Exponate ausgestellt. Die Ausstellungsstücke werden auf einer achteckigen Fläche, die dem Grundriss des Frankenstadions nachempfunden ist, präsentiert. Der DFB-Pokal von 2007 glänzt hinter Glas, die Gegenwart des Clubs weniger. Was er sich denn von der aktuellen Mannschaft wünsche für das Museum, wird Koch gefragt. Er seufzt und sagt, dass es gar kein Pokal sein müsse: "Es wäre mal schön, wieder im Halbfinale eines Pokals zu stehen", sagt er. "Oder, dass wir spätestens in ein, zwei Jahren wieder aufsteigen. Das ist möglich."

Und Koch verspricht: "Das ist noch lange nicht das Ende der Geschichte des Clubs". Platz gibt' im FCN-Museum noch genug.
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