Sechsfache Mutter muss in Haft

Sie ist eine Art Dauergast in den Anzeigenlisten der Polizei. Die Mutter von sechs Kindern stiehlt, sie schlägt sich mit ihren Nachbarn herum, stiftet Unfrieden. Nun wandert die 39-Jährige, obwohl erneut schwanger, für nahezu zwei Jahre hinter Gitter.

Amberg/Schwandorf. (hwo) Die nächste Anklageschrift, diesmal wegen Nötigung, lag auf dem Richtertisch. Bevor man die Angeklagte damit konfrontieren konnte, musste man sie erst aus dem Bett holen. Sie schlief daheim, kam mit zweistündiger Verspätung und hatte sich dann vor der 3. Strafkammer des Amberger Landgerichts anzuhören, dass man in der Vergangenheit immer wieder versucht habe, ihr zu helfen. Nicht zuletzt wegen einer ärztlich attestierten Persönlichkeitsstörung.

Wegen 26 Euro

Hilfsangebote und -maßnahmen waren im Sand verlaufen. So saß sie nun wieder einmal vor ihren Richtern. Diesmal wegen eher lächerlichen 26 Euro. So viel hätten die Lebensmittel gekostet, die sie aus einem Supermarkt im südlichen Landkreis Schwandorf stahl. Dazu wurde heuer im Frühjahr vor dem Schwandorfer Amtsgericht verhandelt, in den Akten geblättert und festgestellt, dass noch zwei Bewährungen offen waren.

Also kam es zu einem drastischen Urteil: Ein Jahr und zehn Monate Haft unter Einbeziehung von Vorahndungen. Was nun? Die Frau und ihr Anwalt Peter Grau (Burglengenfeld) gingen in Berufung, auch die Staatsanwaltschaft tat das. Nun wurde vor der Dritten Strafkammer in Amberg neu verhandelt, wobei das im Hinblick auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch geschah. Genauer: Der Ladendiebstahl stand fest, es ging nur noch um die Höhe der Ahndung.

Die 39-Jährige ist schwanger, sie wird demnächst zum siebten Mal Mutter. Sollte ihr unter diesem Aspekt erneut Bewährung zugestanden werden? Verteidiger Grau setzte sich vehement dafür ein, riet angesichts der von einem Psychiater bescheinigten Persönlichkeitsstörung zu einer geschlossenen Therapie. Staatsanwalt Vogel widersetzte sich, wollte die 39-Jährige zur Haft verurteilt sehen. Dazu entschloss sich auch die Strafkammer. Sie verhängte ein Jahr und neun Monate Haft. In der Urteilsbegründung durch den Kammervorsitzenden Gerd Dreßler klang an, dass die nach acht Vorahndungen als notorische Rechtsbrecherin geltende Frau, die ständig als Diebin unterwegs sei, eine Reihe von Chancen bekommen habe. Damit, so Dreßler, müsse nun Schluss sein.
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