Seit 100 Jahren am Telefonnetz

Im Barth-Scherm-Haus am Marienplatz war von 1951 bis 1975 die Post untergebracht (Erdgeschoss, rechts). Mit dem Anschluss der Rußweiherstadt ans Telefon im Jahr 1915 wurde daraus eine Fernmeldezentrale. Bild: rn

Das Jahr 1945 läutete eine Zeitenwende ein: "70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg". Vorbei sind die europaweiten Gedenkfeiern. Beim Blick in die Eschenbacher Vergangenheit lassen sich weitere "5er-Jahre" finden, die es wert sind, in Erinnerung gerufen zu werden.

Hilfe dabei leisten zwei Schriften: "Eschenbach, Stadt in der Oberpfalz", verfasst 1844/1845 von Johann Groskopf, Mädchenlehrer in der Rußweiherstadt, und "Eschenbach in Vergangenheit und Gegenwart" von Adolf Ficker, erschienen im Februar 1950.

Unter "Gegeben zu Amberg, den 29. Dezember 1405" schreibt Groskopf: "Johann, Pfalzgraf und Herzog in Bayern, erlaubt den Bürgern der Stadt Eschenbach wegen ihrer treuen Dienste, dass sie einen Weiher zu ihrem Nutzen auf dem Moos, unterhalb seines Weihers an dem Stadtgraben gelegen, machen."

Aus der Zeit Kaiser Karls IV., unter dem Eschenbach und weite Teile der nördlichen Oberpfalz im Jahr 1353 als "Neuböhmen" an die böhmische Krone fielen, stammt ein 550 Jahre zurückliegender Vertrag. Über ihn schreibt Groskopf: "Der verschlagene Georg Podiebrod, König von Böhmen, verlangt im Vertrag 1465 (...) mit Otto II., Pfalzgraf von Neumarkt, dass unter anderem Eschenbach von der Krone Böhmen getragen werde."

Ficker verfolgt diese Pfand-/Lebensansprüche bis zum Frieden von Preßburg am 26. Dezember 1805. Ihm vorausgegangen waren der dritte Koalitionskrieg mit der "Dreikaiserschlacht" von Austerlitz und der Sieg Napoleons über Russen und Österreicher. In Preßburg legte Franz I. daraufhin die deutsch-römische Kaiserkrone nieder. Damit fand das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation" mit seinem "Immerwährenden Reichstag" in Regensburg ein Ende.

1545 eine "Badstube"

In seinem Werk erinnert Ficker an weitere 5er-Jahre. So berichtet er darin, dass die Eschenbacher bereits vor nunmehr 470 Jahren "für ihr Reinigungsbedürfnis Sorge trugen": In einem Kaufbrief des Valentin und der Anna Kompp vom 10. August 1545 ist von der "unteren Badstube zu Eschenbach" die Rede.

Und vor 200 Jahren hätte "Eschenbach beinahe ein militärischen Gesicht bekommen": Denn unter Kurfürst Max Emanuel sei die Stadt im Jahr 1715 "als Garnisonsort zur Errichtung von Kasernen für die Miliz" vorgeschlagen worden. Zudem schreibt Ficker über Kirchweih- und sonstigen Festlichkeiten, die in Eschenbach einen besonderen Stellenwert hatten: Im 19. Jahrhundert fand "alle sieben Jahre ein größeres Volksfest statt". Nachhall dieser Feste war im Jahr 1895 eine "acht Tage dauernde Festlichkeit am Stirnberg mit Bierausschank und Tierschau".

Genau 100 Jahre ist es her, dass das Telefon in der Rußweiherstadt eingeführt wurde. "An das Telefonnetz wurde Eschenbach im Jahre 1915 angeschlossen mit der Zentrale im Postamt. Im unteren Stadtteil verkabelte man die Telefonleitungen 1935, im oberen Stadtteil erst 1949", steht geschrieben.

"Postamt-Ära"

Bereits am 1. Juli 1851 hatte die Stadt eine eigene Postexpedition erhalten. Das Postlokal im Barth-Scherm-Haus am Marienplatz neben dem Rathaus wurde wiederholt umgebaut und bestand bis zum Jahr 1975. 1915 war wegen der Einführung des Telefons zur örtlichen Fernmeldezentrale erweitert worden.

Vor 40 Jahren zog die Post in den von der Familie Wild nach ihren Wünschen neben der Bergkirche errichteten Neubau um. Mit dessen Schließung endete am 1. September 2003 in der Rußweiherstadt die "Postamt-Ära". Seitdem gibt es nur noch "Partnerfilialen".

Nicht zuletzt erfolgte in einem 5er-Jahr die Trennung der Stadtsparkasse von der Stadtverwaltung: genau im Juli 1935. Am 1. März 1936 schlossen sich die Städtischen Sparkassen Eschenbach, Auerbach und Pressath zu einer Zweckverbandssparkasse mit Sitz in Eschenbach zusammen. Mitglieder des Zweckverbandes waren der Bezirk (ab 1939 der Landkreis Eschenbach) sowie die Städte Eschenbach, Auerbach und Pressath. Das neue Institut verfügte laut der Sparkassen-Festschrift von 1971 über Gesamteinlagen von 3,5 Millionen Reichsmark.
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