Seit 20 Jahren bietet der Weidener Bauernmarkt regionale Produkte an
Warum aus der Ferne kaufen?

Strenge Regeln, mit denen sich offenbar viele anfreunden können: Die Mitglieder des Weidener Bauernmarktvereins müssen alle einen landwirtschaftlichen Betrieb haben und in erster Linie Waren aus eigener Produktion verkaufen. Ein Konzept, mit dem der Markt in den 20 Jahren seines Bestehens einigen Erfolg hatte.
 
Von Wurst über Fisch bis hin zu Gemüse - das Angebot auf dem Markt ist so vielfältig wie seine Stände. Bilder: Wilck (2)
Vertrauen. Wenn Hans Beutner über seine Arbeit und die der Kollegen spricht, fällt wieder und wieder dieses Wort. Wobei es gar nicht so leicht ist, bei einem Gespräch mit ihm den roten Faden zu behalten.

Wenn Beutner an seinem Arbeitsplatz am Unteren Markt in Weiden redet, hält er immer wieder inne: Selbst an diesem Mittwochmittag, an den sich die Durchgänge zwischen den Ständen längst schon geleert haben, muss er sich unterbrechen, um zu grüßen, ein paar Worte zu wechseln, selbst jemanden anzusprechen.

"Nie wieder"

Gewiss, es ist an sich keine Besonderheit, dass Verkäufer wie Beutner, der am Weidener Bauernmarkt Gemüse anbietet, ihre Stammkunden haben, die Beziehungen zu ihnen hegen und pflegen. Dass ein Markt ein Tratschplatz, ein Treff, ein Gesehenwerden ist. Für Beutner selbst ist es aber genau diese Atmosphäre, das Familiäre, das ihn lieber auf dem Bauernmarkt - nur wenige Kilometer von seinem Hof in Etzenricht (Kreis Neustadt/WN) gelegen - arbeiten lässt, anstatt seine Produkte im großen Stil im ganzen Freistaat zu verkaufen.
Genau das hat er früher einmal gemacht und "würde es nie wieder machen". Das gehe an die Nerven, sagt er. Wenn es Probleme gegeben habe, sei das immer irgendwo weit weg gewesen. Alles irgendwie künstlich. Auf dem Markt treffe er die, die sein Gemüse essen, persönlich, es gebe gegenseitiges "Vertrauen - so wie es sein soll". Ein Vertrauen, das auch den Kunden wichtig zu sein scheint. Der Bauernmarkt, der im Oktober sein 20-jähriges Bestehen feierte, habe sich gut entwickelt, so Beutner - beim Angebot wie auch bei der Nachfrage. "Wir sind mit unserem Publikum gewachsen, wie das Publikum mit uns gewachsen ist."

Tatsächlich hat der Markt mit seinen zehn Ständen eine Bandbreite zu bieten, die für eine Stadt in der Größe von Weiden nicht selbstverständlich ist, die seine Besonderheit ausmacht: Von Wurst und Schweinefleisch bis Gemüse, von Dinkelbrot und Lamm bis Fisch - und alles findet inzwischen regen Anklang. Er selbst jedenfalls habe "momentan dreimal so viele Kunden wie in den ersten Jahren", sagt Josef Wittmann, der Vorsitzende des Bauernmarktvereins Weiden und Umgebung. Seit zehn Jahren gehe das so. Ein regelrechter Trend zu regionalen Produkten.
Genau diese Regionalität mache den Bauernmarkt aus. Natürlich, so Wittmann, gebe es beispielsweise auch auf dem angrenzenden Weidener Wochenmarkt ein hervorragendes, teils regionales Angebot. Bei den Ständen seines Vereins seit das jedoch in jedem Fall garantiert: Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist, selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb zu haben und auf dem Markt überwiegend (mindestens drei Viertel) Produkte aus eigener Produktion anzubieten.

Feste Regeln

Diese Regeln hätten sich nicht verändert, seit 1991 einige Landwirte aus der Region den Markt ins Leben gerufen haben, um sich ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein zu schaffen. Inzwischen hat sich der Markt nicht nur zu einem der Markenzeichen der Stadt gemausert, er ist laut Wittmann tatsächlich sehr bedeutend für das Auskommen einiger Mitglieder geworden. Ob er auch wirklich ein entscheidendes Standbein für eine Landwirtschaft sei, könne sich aber erst in einigen Jahren zeigen, wenn die ersten ihren Betrieb der zweiten Generation übergeben können.
Abwarten. Bei Beutner jedenfalls helfen die vier Kinder jetzt schon mit, übernehmen den Verkauf, unterhalten sich selbst mit den Stammkunden, die das Angebot hinterfragen, prüfen, diskutieren und was ihnen alles sonst noch einfällt. Kein Problem sei das, sagt Beutner. Er und seine Kollegen lebten doch davon, das ganze Geschäft hier am Markt "ist Vertrauen". Und das könne man sich nur erwerben, wenn man weiß, wie die Produkte entstanden sind, kurz: Wenn man sie mit Selbstvertrauen anpreisen kann.
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