Serie: "Vohenstraußer Flurdenkmäler"
Totenbretter fast ausgestorben

Dieses Totenbrett befindet sich seit 2012 für Siegfried Lukas im Waldgebiet "Birkenschlag". Bild: tss

Das Brauchtum der Totenbretter in der Region stammt aus dem 19. Jahrhundert. Heute ist es fast ausgestorben. Aber eben nur fast, wie unsere Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" verrät.

Das älteste noch erhaltene Totenbrett im Altlandkreis stammt von 1884 und befindet sich in Eslarn. In den vergangenen 40 Jahren wurden jedoch kaum mehr neue aufgestellt. Nur im Waldgebiet "Birkenschlag" erinnert seit 2012 eines an Siegfried Lukas, der im Alter von 55 Jahren gestorben war. Gestiftet hat es der Schreiner Gerhard Hagn, der es auch anfertigte und aufstellte.

Idyllisches Plätzchen

Auf dem idyllischen Fleckchen Erde etwa 260 Meter westlich der Schönberger-Kapelle befinden sich außerdem noch ein Feldkreuz und ein Bildstock, den Hans Hagn um 1930 zur Ehre Gottes an einem Baum befestigt hatte. Dieses kleine Flurdenkmal wurde 1999 renoviert. Das Waldstück mit diesen Flurdenkmälern ist seit 1863 im Besitz der Familie Hagn. Das angrenzende Areal "Kapellenspitz" gehörte dem ehemaligen Chefdesigner der Firma Seltmann Fritz Schönberger, informiert Marterlforscher Rudolf Großmann.

Eine Bank lädt Wanderer zum Verweilen ein. Das Feldkreuz hatte Gerhard Hagn zur Erinnerung an eine alte Holzkapelle errichtet, der Herrgott stammt von einem Friedhofskreuz. Das hölzerne Kirchlein stand um 1740 am Steig von Kaimling nach Kleinpoppenhof auf einem steinernen Fundament. Es ist längst verfallen, die Steinreste wurden immer wieder für Neubauten aus dem Wald geholt. "An das Aussehen der Kapelle kann sich niemand mehr in Kaimling erinnern", sagt Großmann.

1996 wollten Schönberger und Hagns Vater dort wieder ein Kirchlein bauen. Da sie dafür aber keine Genehmigung bekamen, kaufte der gelernte Porzellanmaler der Stadt 260 Meter östlich ein Grundstück ab und errichtete dort wegen eines Gelübdes und zur Ehre Gottes sein Kirchlein. Ein Jahr lang baute er mit Freunden, vorwiegend aus dem Männergesangsverein, daran. 55 000 Mark kostete damals das aus Stein gemauerte kleine Gotteshaus, das auf einer wasserfesten Betonplatte steht.

Den Altar hat Schönberger in 250 Arbeitsstunden selbst geschnitzt, gefasst und gemalt. Auf einer frostsicheren, 60 mal 80 Zentimeter großen Keramikfliese ist eine gemalte und bei 800 Grad gebrannte Madonna mit Kind abgebildet. Der Porzellanmaler hat das Motiv selbst entworfen.

Dachrinnen gestohlen

Am 13. Juli 1997 weihten die Pfarrer Gerhard Schmidt und Alfons Forster sowie Kaplan Johannes Lukas Kapelle, Altar und die kleine Glocke. "Dabei regnete es in der gesamten Gemeinde in Strömen - nur um die Kapelle herum schien die Sonne", weiß der Marterlforscher. Dafür war die Feier des zehnjährigen Bestehen "leider total verregnet und musste deshalb in die Kaimlinger Kirche verlegt werden". Im Juli 2012 stahlen Unbekannte die Dachrinnen der Kapelle. Bei den Fensterblechen gaben sie auf, oder wurden gestört.

Hinter der Schönberger-Kapelle steht schließlich das Faltenbacher-Feldkreuz. 1919 hatte dort Franz Faltenbacher ein Holzkreuz errichtet, weil sein Sohn aus dem Ersten Weltkrieg glücklich heimgekehrt war. Etwa 1950 wurde es durch das jetzige Exemplar ersetzt, das Schönberger auch immer wieder renovierte. 2002 fiel eine große Linde, die im Laufe der Jahre morsch geworden war, einem Sturm zum Opfer. Sie traf allerdings weder das Feldkreuz noch die Kapelle, sondern landete im angrenzenden Wald.
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