Sich seinen Ängsten stellen

Der Evangelische Frauenkreis füllt selbst an einem lauen Sommerabend das Gemeindehaus. Es lag auch am Thema "Wenn Ängste das Leben bestimmen".

"Hatten Sie schon mal Angst?" Mit dieser Frage begann Diplom-Sozialpädagoge Georg Pilhofer seinen als Dialog gestalteten Vortrag. Die Antworten kamen prompt. Man brauche die Angst, um zu überleben. Auch die Angst habe ihren Sinn und auch Vorteile, verdeutlichte der Gerontotherapeut an Beispielen aus dem Alltag.

Laut Umfrage hätten die Deutschen am meisten Angst vor Gedächtnisschwund. Der Begriff Angst grenze sich von der Furcht dadurch ab, dass sich Furcht meist auf eine reale Bedrohung beziehe. Angst sei dagegen meist ein ungerichteter Gefühlszustand, sagte Pilhofer. Zu den seelischen Symptomen zählten das Angstgefühl bis hin zur Todesangst, Ohnmachtsgefühl, Depersonalisation. Körperliche Symptome zeigten sich in Erstickungsgefühl, Atemnot, Herzklopfen, Brustschmerzen, Durchfall, Harndrang, Schwäche, weiche Knie und Zittern.

Verdrängte Wut

"Ängste und Panikattacken haben meist eine langjährige Entstehungsgeschichte", führte Pilhofer aus. Als mögliche Ursachen in der kindlichen Entwicklung nannte er mangelnde Liebeszuwendung, traumatische Erlebnisse, Verdrängung von Wut und Aggressionen.

Bei unbehandelten Konflikten in jungen Jahren bekomme man im Alter eher Demenz, um das Erlebte zu verarbeiten. Pilhofers Rat: "Ärger nicht in sich hineinfressen. Streiten ist auch wichtig. Und nicht nur an das Negative, auch an das Positive denken."

"Aggressive Leute sind die Ängstlichsten", stellte der Redner fest. Abwehrmechanismen seien psychische Strategien, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, mit denen man nicht gelernt habe umzugehen oder sie auszuleben - aus Angst vor den Konsequenzen. Ohne Abwehr entstünden Verhaltensweisen, die letztlich zu Panikattacken führen könnten, beispielsweise es allen Recht machen zu wollen, nicht Nein sagen können, seine Bedürfnisse in den Hintergrund stellen. Als Folgen nannte Pilhofer angestaute Wut, Frustration, kein Selbstvertrauen. Die immer komplizierter werdende Welt mit ihren negativen Begleiterscheinungen stelle für viele eine Überforderung dar, fuhr Pilhofer fort.

Autogenes Training

Er ging ferner auf Phobien, deren Formen und Symptome ein. Als Hilfe im Umgang mit Angststörungen empfahl er mit anderen darüber reden, die Teilnahme an Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen sowie Yoga, autogenes Training, progressive Muskelentspannung sowie medikamentöse Therapie.

"Seien Sie kein Angsthase, sondern zeigen Sie's Ihren Angstmachern." ermutigte Pilhofer abschließend seine Zuhörer. Infos unter www.agvb.de oder www.sega-ev.de.
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