Sinneswandel nötig

Mit einer Spende von 200 Euro, die Vorsitzende Monika Stopfer (rechts) und Kassiererin Christine Kies (links) Referentin Elisabeth Merkl beim Frauenfrühstück überreichten, unterstützt der Katholische Frauenbund die Arbeit von "Lebkom". Bild: rn

"Genitalverstümmelung schmerzt ein Leben lang. Schützen Sie mit uns bedrohte Mädchen in Afrika." Mit diesem Appell wandte sich Elisabeth Merkl beim Frauenfrühstück an die Mitglieder des Katholischen Frauenbundes.

Merkl bringt sich im Fuldaer Vereins "Lebendige Kommunikation" (LebKom) ein. Dieser setzt sich seit Jahren dafür ein, in Afrika Kinder vor grausamer Verstümmelung zu retten. Dazu gehört, Bewusstseins- und Verhaltensänderungen in Tausenden von Familie anzustoßen und damit einen kulturellen Wandel zu erreichen. Mehrere Aufenthalte in Kenia bestärkten die Eschenbacherin in ihrem Wirken.

Beim Frühstück des Frauenbundes informierte sie über die Praxis der Beschneidung junger Mädchen. Da diese in Kenia verboten ist, werde sie meist bereits vor der Einschulung vorgenommen. Besonders widerlich sei, dass der Termin den Kindern als Festtag vermittelt wird. Die Zuhörerinnen waren von den Erzählungen der Referentin sichtlich geschockt.

Die Beschneidung, bei der Mädchen nicht selten verbluten, habe ihren Ursprung weder in einer Religion noch in einer Tradition, machte Merkl deutlich. Sie hielt es für unverständlich, dass stets über 30 Millionen Aids-Fälle gesprochen, über 150 Millionen verstümmelte Frauen jedoch geschwiegen werde.

Beeindruckt zeigte sie sich von dem Umbruch, der sich in der von ihr bereisten Region seit den 1990er Jahren eingestellt hat. "Unsere Projekte haben in der Mosocho-Region Kenias bereits über 20 000 Mädchen gerettet. Die Verstümmelungsrate sank von 96 auf unter 25 Prozent."

Die Referentin berichtete von Seminaren, in denen all jene ausgebildet werden, die Verantwortung für das Schicksal der Mädchen tragen. "In Elternschulen lernen insbesondere junge Eltern, ihre Töchter gleichberechtigt aufwachsen zu lassen und sie nachhaltig vor Genitalverstümmelung zu bewahren."

Um einen Sinneswandel weg von der Praxis "weil es schon immer so war" zu erreichen, habe LebKom in dreijährigen Bemühungen rund 300 Lehrer für seine Ziele gewinnen können. Früher unmöglich, werde nun in allen Schulen Aufklärungsunterricht erteilt. Dank Wissensvermittlung hätten auch Männer umgedacht. Sogar ehemalige Beschneiderinnen hätten beschlossen aufzuhören und schickten Mütter mit ihren Töchtern weg. Die Folgen seien ein erheblicher Rückgang der Kindersterblichkeit und positive Auswirkungen auf Nachbarstämme.

Mit Film- und Bildbeiträgen vermittelte Elisabeth Merkl ein Bild von der reichen Landschaft Kenias, ihren fröhlichen Kindern und Frauen sowie von Männern, die ihren Frauen nun mehr Achtung entgegenbringen. Auch stellte sie die Technik des Tonbrennens vor und berichtete von einer deutlichen Veränderung in den Bereichen Schule, Tierhaltung und Pflanzenanbau. Auf besonderen Wunsch gab sie das Spendenkonto von LebKom Fulda bekannt: DE 45 5305 0180 0043 5102 03.
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