So faszinierend ist der Mensch

Hanna Regina Uber und Robert Diem präsentieren bei ihren Galerietagen aktuelle und neu aufgelegte Arbeiten. Der "Gedächtnispalast" gehört zu den jüngeren Werken. Bild: Steinbacher

Die Arbeiten werden etwas surrealer. Dabei führt der aktuelle Schaffensweg des Aschacher Künstler-Paares Hanna Regina Uber und Robert Diem auch direkt in den Kopf eines Menschen. Der hat Platz für Gedanken - auch für die der Vernissagen-Gäste am Samstag, 28. November.

Einmal im Jahr präsentieren Uber/Diem bei den Galerietagen in ihren Räumen im Aschacher Kunstprojekt (alter Pfarrhof) eine Auswahl aktueller Arbeiten. Das ist ihnen zeitlich in den zurückliegenden Jahren nicht immer gelungen, soll aber künftig wieder regelmäßig so sein. Eröffnet wird die Ausstellung diesmal am Samstag, 28. November, um 19 Uhr. Eingeladen sind neben Stammgästen auch alle anderen Kunstfreunde.

Sie sehen auch diesmal vor allem Plastiken, überwiegend Bronzeguss, aber auch Arbeiten aus Holz - einige konkreter, andere abstrakter. Manches kommt langjährigen Begleitern des Künstler-Paares bekannt vor: Uber/Diem haben ein paar frühere Werke nachgegossen, um sie noch einmal in größerem Rahmen und in neuem Zusammenhang zu präsentieren. Dazu gesellen sich viele neue Werke, wie etwa "Der Gedächtnispalast", der dem Rätsel menschlicher Erinnerungen nachspürt.

Uber fasziniert an diesem sehr poetischen Thema, dass manches im Gedächtnis bleibt, während anderes verschwindet, vom weißen Nebel eingehüllt und am Ende ganz verschluckt. Eine Figur mit dem roten Helm holt den Betrachter aus diesem Nebel zurück ins Leben - auf eine Gratwanderung, die nicht ohne Verletzungen abgehen kann. Und es auch nicht soll, die Uber meint.

Manche Blessuren - die Figur hat ein blutiges Knie - müsse man im Leben einfach riskieren, aushalten und auch tragen - etwa, weil man für seine Meinung einsteht, mutig für etwas eintritt. Im Gespräch mit der Künstlerin bekommt dieses Werk angesichts der jüngsten Terroranschläge unwillkürlich einen hoch aktuellen Bezug, wenngleich es diesen bei der Entstehung noch nicht gegeben hat.

Neuland betreten Uber/Diem mit einer Videoinstallation, die eine schon vor Jahren begonnene Tattoo-Serie neu aufgreift: Eine künstlerische Ausdrucksform, die Uber neu für sich entdeckt hat, wie sie sagt: "Das interessiert mich total, damit kann man wunderbar arbeiten."

Konkret beschäftigt sich der Acht-Minuten-Film, teilweise aufgenommen in Tatoo-Studios, mit der menschlichen Identität und der Frage "Wer bin ich?" Sie werte dabei nicht, betont Uber - "ich spüre dem nach, was hinter den Tattoos steckt". Das sei spannend und ein Thema, das in der Kunst auch noch nicht sehr verbreitet sei.

Interessierte, die Uber/Diem auf diesem und weiteren neuen oder auch schon länger eingeschlagenen Wegen folgen möchten, sind in der Aschacher Galerie am Schmiedberg 13 willkommen - zur Vernissage, aber auch danach. Geöffnet ist die Ausstellung noch an den folgenden Freitagen bis Sonntagen bis 13. Dezember, jeweils von 10 bis 18 Uhr oder nach Absprache.
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