So unterhaltsam kann Bosheit sein

Gar tänzerisch-wild ging es beim Ball zu, zu dem der Prinz ins Schloss eingeladen hatte: Sämtliche Betörungsversuche durch die Familie Stief gingen aber ins Leere. Bild: stg

25 000 Besucher können nicht falsch liegen: Seit über zwei Jahren tourt das "Oschnputtl"-Ensemble mit seinem "Erbsenmusical" durch Bayern. Am Samstag trat es in der Kemnather Mehrzweckhalle vor über 1000 Zuschauern auf. Eingeladen hatte der Verein "Hilfe für Anja", der 15-jähriges Bestehen feiert.

Kemnath. (stg) Und da soll noch einer sagen, Märchen wären angestaubt und von gestern: Mit viel Pfiff, witzigen Dialogen, eingängiger Live-Musik und hervorragenden Darstellern hat Tom Bauer (der selbst in die Rolle des Erzählers schlüpft) eine uralte Geschichte auf die Bühne gebracht - nämlich die von dem jungen Mädchen, das von der bösen Stiefmutter und den -schwestern schikaniert wird, aber schließlich doch vom Prinzen als zukünftige Gemahlin auserwählt wird.

Einiges ist aber trotzdem anders. Das beginnt schon beim durchgängig (nieder-)bayerischen Dialekt. Modern, aber nicht plump, scheint die Devise Tom Bauers gewesen zu sein.

Die einzige Tochter (Eva Petzenhauser) des reichen Erbsenhändlers Quirin Puttl (zwischen naiv und hormongesteuert: Helmuth Zettl) lebt zufrieden mit ihrem Vater zusammen. Auf dem Speiseplan der Familie stehen jeden Tag Erbsen. Da die Mutter vor Jahren verstorben ist, beschließt Oschnputtl, eine Heiratsannonce aufzugeben - und das Schicksal nimmt seinen Lauf: Maria Stief (Evelin Attenberger) verdreht Herrn Puttl den Kopf und zieht samt ihren beiden Töchtern Elvira (Anna Zollner) und Vanessa (Claudia Staudigl) ins traute Heim ein.

Fiese Stief-Schwestern

Die Schwestern drangsalieren Oschnputtl tagtäglich aufs Neue mit harter und unsinniger Arbeit, wie eben Erbsen aus dem Ascheschub auszusortieren. Zum Glück gibt es die chaotische Leiharbeitsfirma "Täubchen & Täubchen Co. KG", die mit "Dienstleistungen aller Art" zur Stelle ist und dem Oschnputtl zu Hilfe eilt: Julia Hofstetter als "Junges Täubchen" und Heinz Kramlinger als "Alter Täuberich" setzen außerordentliche komödiantische Akzente.

Als der junge Prinz (Sebastian Hagengruber) einen Ball abhält, schafft es Oschnputtl, trotz der vielen Hausarbeit kurz auf dem Fest zu erscheinen. Prompt verliebt der Prinz sich in sie, aber kurz darauf muss sie fluchtartig die Veranstaltung verlassen, wobei sie einen Schuh verliert. Aber Märchen wäre nicht Märchen, wenn sich nicht doch alles noch - ganz wie im Original - zum Guten wendet.

Für die Live-Musik sorgen die "Brima Stadtmusikanten", bestehend aus musikalischem Leiter Michael Reiß sowie seinen Kollegen Bernhard Hiergeist, Tom Zistler, Markus Tschöp und Achim Wimmer. Langer und verdienter Applaus brandete nach über drei Stunden für eine individuelle und kreative Musical-Adaption des "Aschenputtel"-Themas auf.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.