Soldaten- und Kameradschaftsverein feiert doppelt - Zum 125-jährigen Bestehen Ausrichter des ...
Nur Spitze bleibt von der Fahne

Der Veteranenverein 1986 beim Fest "300 Jahre Loretokapelle". Damals trat die Fahnenabordnung bislang zum letzten Mal "mit Wix, Gux und Parasol" an.
(gis) Nach uraltem Brauch feiert Unterlind an Mariä Himmelfahrt den Hammricher Frauentag, in dessen Mittelpunkt immer das Hammerkirchl steht, als Ort der Zuflucht, der Stille und des Gebets. Und wenn am Samstag, 15. August, die Bevölkerung in aller Früh mit drei Salutschüssen geweckt wird, dann startet in diesem Jahr gleich ein doppeltes Fest: der Frauentag mit großem Marktbetrieb und das 125-jährige Bestehen des Soldaten- und Kameradschaftsvereins.

Wirt als Initiator

Wie Heimatforscher Josef Wiche in seiner Chronik berichtet, "war es anfangs ein verschworener Haufen von etwa zehn Veteranen, die 1871 aus dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg heimgekommen sind. Sie trafen sich regelmäßig im Unterlinder Gasthof zum Goldenen Hirschen ,beim Schmiedl', weil die meisten von ihnen in der dortigen Paterlhütte arbeiteten." Dort erzählten sie sehr ausschweifend von den siegreichen Schlachten und dem Einmarsch in Paris, den hübschen Mädels und dem Champagnerwein. 1890 gab der Wirt "Schmiedl-Christof" dann den Anstoß zur Vereinsgründung. Er war der Bruder des dicken "Schmiedl-Max", berichtet Josef Wiche.

Französisch und Dialekt

In Anlehnung an den Franzosenkrieg benutzten die Veteranen intern französische Wörter, deren Wurzeln, angepasst an den Mehlmeiseler Dialekt, nur schwer zu ergründen sind. Zum Beispiel trugen sie bei offiziellen Anlässen stolz "Wix, Gux und Parasol", also Mantel, Zylinder und Sonnen- beziehungsweise Regenschirm, alles in Schwarz. Zum Auftreten passte, dass sämtliche Honoratioren des Dorfes um Mitgliedschaft nachsuchten, also Fabrikanten, Bürgermeister, Lehrer und Förster.

Der Jubelverein ist zwar nicht der älteste in der Gemeinde - die Feuerwehr Mehlmeisel gibt es bereits seit 1878 - aber die Veteranen besaßen die erste Vereinsfahne im Dorf. Sie musste nach dem Zweiten Weltkrieg vor den Amerikanern versteckt werden. Zuletzt hatte sie der Gastwirt des Goldenen Hirschen in einen finsteren Winkel des Dachstuhls geschoben. Als der Gasthof im August 1951 niederbrannte wurde sie ein Raub der Flammen. Lediglich die metallische Spitze fand man später unter Schutt und Asche. Diese Spitze wird heute in Ehren gehalten. Den Hammricher Frauentag richten die drei Unterlinder Vereine im jährlichen Wechsel aus, diesmal selbstverständlich der Jubelverein, der ein vielseitiges Programm zusammengestellt hat, mit Feldgottesdienst und Weihe der mitgebrachten Kräuterbüsche.
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