Solidarisch am Sozialstaat gebaut

Die Jubilare haben dazu beigetragen, den Sozialstaat zu schaffen und Demokratie zu gestalten. Dafür dankte ihnen der Verdi-Ortsverein Nabburg bei einem Ehrenabend.

Nabburg/Wernberg-Köblitz. "Erfolgreiche Gewerkschaftsarbeit steht und fällt mit dem Engagement der ehrenamtlichen Arbeit. Dies ist nicht selbstverständlich. Nur solidarisch können bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn erreicht werden", betonte Bürgermeister Georg Butz in seinem Grußwort bei der Jubilarehrung des Verdi-Ortsvereins Nabburg im Gasthaus Braun in Diebrunn.

Vor Herausforderungen

Alexander Gröbner, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, unterstrich in seiner Rede unter dem Motto "Stärke, Vielfalt, Zukunft" die Bedeutung der Gewerkschaften in ihrer über 125-jährigen Geschichte der Arbeiterbewegung. Mit rund 23 000 Mitgliedern in der Oberpfalz und etwa zwei Millionen Mitgliedern bundesweit sei Verdi eine starke und durchsetzungsfähige Organisation im Einsatz für die Arbeitnehmer. "Ihr, eure Eltern und Großeltern haben diesen Sozialstaat geschaffen. Lasst ihn uns auch in die Zukunft weiterentwickeln, für uns, unsere Kinder und alle, die in unserer Gesellschaft heute und in Zukunft leben und leben werden, " rief Gröbner den Jubilaren zu. Er zeigte die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt auf: "Noch immer sind prekäre Arbeitsverhältnisse in Deutschland die Realität. Befristete Beschäftigung, Minijobs, Leiharbeit, Werkverträge und Scheinselbständigkeit bestimmen die Lebenswirklichkeit vieler Millionen Menschen. Zwar gibt es in Deutschland mit gut 42 Millionen Beschäftigten die höchste Beschäftigten-Quote. Dennoch leben rund 6 Millionen Menschen von Hartz IV, darunter fast 2 Millionen Kinder." Die Bekämpfung der sozialen Missstände sei Auftrag an Verdi. Dabei gelte es mit dem gesellschaftlichen Reichtum verantwortungsvoll umzugehen und gezielt in Infrastruktur, wie Straßenbau, sozialen Wohnungsbau, Kindertagesstätten und Bildung zu investieren. Die aktuelle Herausforderung mit der Flüchtlingskrise sei zu meistern. "Wer innerhalb von 48 Stunden in der Lage ist, mit einem Finanzpaket von 500 Milliarden Euro Banken zu retten, muss auch in der Lage sein, den Menschen in diesem Land, aber auch flüchtenden Frauen, Männern, Kindern und Alten eine vernünftige Perspektive zu bieten", betonte Gröbner.

Nicht wegen Flüchtlingen

Mit Blick auf die sich mehr und mehr entwickelnde Altersarmut meinte Gröbner, dass auch Flüchtlinge das Sozialsystem positiv unterstützen könnten, wenn man sie in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integriere. Die soziale Lage in Deutschland sei nicht wegen der Flüchtlinge angespannt, sondern wegen der Politik der Bundesregierung in den letzten Jahren.

Bereits Ursula von der Leyen habe als damalige Bundesarbeitsministerin im Jahr 2012 in einer Untersuchung festgestellt, dass ein Arbeitnehmer (Geburtsjahrgang 1964) nach 45 Jahren Beschäftigung mit einem Durchschnittsverdienst von 2500 Euro brutto lediglich eine Altersrente von 786 Euro zu erwarten hat. "Das ist knapp an der Armutsgrenze. Deshalb müssen wir entschieden weiter gegen die Rente mit 67 und für eine lebensstandardsichernde Rente im Alter kämpfen".
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