Songwriter Lasse Matthiesen überzeugt in der Max-Reger-Halle auf ganzer Linie
Lieder, die das Leben schreibt

Weiden.Manche Stimmen sind wie gemacht für Melancholie. In jedem Ton schwingen Traurigkeit und oft auch Schmerz mit. Lasse Matthiessen ist ein Typ mit so einer Stimme. Noch kennen ihn die Wenigsten, wer ihn aber bei der "Klein und Kunst"-Reihe in der Max-Reger-Halle am Donnerstagabend gehört hat, durfte das außerordentliche musikalische Potenzial des Dänen erleben.

Ruhig und wild

Sympathisch steht er da auf der Bühne, stimmt immer wieder seine Gitarre neu und macht Witze über seine viel zu langen Haare, die dringend einen Schnitt brauchen. Dass nur wenige Zuhörer den Weg ins Konzert gefunden haben, stört ihn anscheinend nicht.

Ein echter Künstler bringt seine Leistung eben sowohl vor vollem wie auch halbleerem Haus. Schon mit dem ersten Lied wird klar: Hier steht einer, der etwas zu sagen hat, den die Traurigkeit antreibt und der mit seiner Stimme fesselt. Er singt von Tod, von Verlust, von unbeantworteten Fragen und von verlorener Liebe. Die dabei entstehenden Klangbilder schaffen eine intensiv-dichte Atmosphäre, die den Zuhörer einfängt und so schnell auch nicht wieder loslässt.

Rund zwei Drittel der Songs des Abends gehören eher zu der ruhigen Sorte, doch Matthiessen kann auch anders: Fast schon schreiend, mit exzessiver Intimität, kommt beispielsweise "Wildfires are burning" vom neuen Album daher. Das sind die Momente, in denen auch die Gitarre ihre Aufgabe erfüllt. Denn eigentlich könnte man sich Matthiessen auch gänzlich ohne Instrument vorstellen, nur mit einer Stimme, die trägt und ihresgleichen sucht. Im nächsten Jahr geht der Däne mit Band auf Tour, es wäre ohne Zweifel interessant, auch dies zu hören.

Neuer Neil Young?

Mit dem richtigen Management an seiner Seite kann Matthiessen zu einem ganz "Großen" in der Songwriter-Szene werden - und dann würde auch die Kleinkunstbühne der Max-Reger-Halle für das Publikum nicht mehr ausreichen. Zwischendrin erzählt der Künstler von Neil-Young-Songs aus den 70ern, die auch er selbst gerne geschrieben hätte, was ja nun aus verständlichen Gründen nicht mehr gehe. Aber vielleicht ein kleiner Trost: Würde Young die Songs von Matthiessen kennen, dächte er wohl gelegentlich dasselbe.
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