Sonne, Pathos, Muskelkrämpfe
Glosse

Von wegen 21. Juni. Der Sommer hat begonnen. Jetzt. Für mich. Ganz subjektiv. Irgendwo im Industriegebiet - Weiden, Brandweiher. Die Sonne scheint ein bisschen, der Himmel ist bewölkt. Egal, es läuft. Besser gesagt, ich laufe.

Nach einer längeren Pause mal wieder. Salzige Schweißperlen rollen von der Stirn Richtung Oberlippe - so schmeckt der Sommer. Aus den Ohrhörern rockt mein persönlicher Lauf-Motivator Chuck Berry - so klingt der Sommer.

Die Beats von "Johnny B Goode" und "Roll Over Beethoven" geben das Tempo vor. Meine Joggingrunde erinnert aber eher an einen schleichenden Prozess. Deshalb würde wahrscheinlich "My Heart Will Go On" von Céline Dion besser passen.

Im unaufhaltsamen Schneckentempo geht's bergauf. Nicht nur physisch. Auch gedanklich erreiche ich immer mehr an Höhe. Das Kopfkino erzählt von Marathon-Triumphen und dem "German Laufwunder". Ein erster Hustenanfall bringt mich zurück auf den Boden der Tatsachen - Asphalt.

Nach exakt 5,27 Kilometern und einem Gefühlsmix aus Freiheit, Pathos und Muskelkrämpfen ist für mich Sommer. Ganz subjektiv. Solche Strecken, auf denen plötzlich die Jahreszeiten wechseln, gibt es auch irgendwo zwischen Störnstein und Püchersreuth oder Neustadt und Wurz. Ganz sicher. Also Laufschuhe schnüren und Kopfkino starten.
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