Sonnengesang in Wolle gepackt

Alles handgemacht: Eineinhalb Tage lang dauert es allein, bis Lilo Fischer die sogenannte Kette auf den Webrahmen gespannt hat. Erst dann kann sie mit bunten Wollknäueln die Fertigung des Motivs angehen. Seit Monaten arbeitet die Tapisserie-Gestalterin an acht Wandbehängen für das Pfarrheim in Moosbach, für die der "Sonnengesang" des Heiligen Franz von Assisi als Vorlage dient. Bild: Steinbacher

Auf Wasser folgt Feuer. Tag und Nacht, Sonne und Erde sind bereits fertig. Lilo Fischer webt weiter. Mit bunten Wollfäden setzt sie den Sonnengesang des Heiligen Franziskus auf dem Webstuhl um. Eine kreative Glanzleistung in acht Akten - oder besser gesagt, in acht Teilen.

Neustadt/Moosbach. (ps) Denn acht Wandteppiche sollen ab Oktober das Foyer des Pfarrheims Sankt Franziskus in Moosbach zieren. Als Thema wünschte sich Pfarrer Josef Most den "Sonnengesang" des berühmten Heiligen von Assisi - passend zum Namenspatron des noch relativ neuen Pfarrheims. "Pfarrer Most hat den Namen Franziskus gewählt noch bevor sich der neue Papst diesen Namen gegeben hat", erzählt Max Fischer und fügt schmunzelnd hinzu: "Fast schon prophetisch."

Werke entstehen nachts

Seine Frau Lilo Fischer hat den Lobpreis Gottes und der Schöpfung, den der genügsame Heilige vermutlich gegen Ende seines Lebens (1226) verfasst hat, in kunstvolle Entwürfe umgesetzt, die sie nun mit Kettfaden und Wolle auf ihrem Webstuhl zu buntem Leben erweckt. Am liebsten arbeitet sie nachts. "Da hab ich meine Ruhe, und es ist nicht so heiß", erklärt die 72-Jährige. Außerdem sei sie ein Nachtmensch.

Fernsehen spielt für die Neustädterin praktisch keine Rolle, seit sie an der Umsetzung des Entwurfs sitzt, und das sind schon einige Monate. Dafür hört sie nebenbei gerne Radio: "Immer Bayern 2." Amigo, der blonde Yorkshire-Terrier des Ehepaares, liegt während der Arbeit entweder zu ihren Füßen oder - ganz in der Nähe - in seinem Körbchen.

Konzentriert ist die Tapisserie-Gestalterin bei der Sache. Kein Wunder. "Ein Arbeitsfaden besteht bei mir meistens aus drei verschiedenen Farbfäden", erklärt sie. "Dann kann ich die Farbnuancen besser herausarbeiten." Außerdem würden für jede Reihe unterschiedliche Farben benötigt. Je nach Motiv kommen also mal mehr, mal weniger Mini-Wollknäuel zum Einsatz, die Lilo Fischer durch die Kettfäden zieht. "Bei den Fischen waren es bis zu 18 verschieden-farbige Arbeitsfäden." Die müssen an den Nahtstellen auch noch miteinander verwoben werden. Ganz schön kompliziert.

Dabei dient der Tapisserie-Gestalterin ein Karton mit aufgezeichnetem Motiv als Vorlage. Er wird hinter die sogenannte Kette gespannt. Die Kettfäden per Hand auf den Webstuhl zu ziehen, dauert allein eineinhalb Tage, erzählt Lilo Fischer. Dabei gilt: "Wenn die Kette nicht stimmt, wird die ganze Arbeit nichts."

100 Stunden pro Motiv

Jeder Wandbehang erfordert im Falle des Sonnengesangs von Franz von Assisi rund 100 Stunden Arbeitszeit. "So ungefähr. Bei dem Motiv mit den Dornen haben 100 Stunden nicht gereicht." Max Fischer bemalt die Rahmen für jedes einzelne Werk in der passenden Farbe. "Nur so wird alles stimmig", sagt seine Frau. Denn schließlich gilt für ihre Werke ebenso wie für den Sonnengesang: sie sollen den Schöpfer loben.
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