Sorgen wegen "Fliegenfänger"

Nach drei Patzern in fünf Saisonspielen bekommt Marc-André ter Stegen die Härte der spanischen Medien zu spüren. Die Fans machen sich unterdessen immer mehr Sorgen, aber der Keeper und auch Trainer Luis Enrique wiegeln ab.

Vielen Fans des FC Barcelona wird mulmig, wenn sie an Mittwoch denken. Der spanische Meister und Champions-League-Sieger muss dann nämlich beim Sensationsteam der Primera División antreten. Bei Celta de Vigo dürfte ein weiterer Patzer von Marc-André ter Stegen wohl schlimmere Folgen haben als der kapitale Fehler, der dem deutschen Nationalkeeper am Sonntag beim 4:1-Sieg daheim gegen UD Levante unterlief. Denn Celta de Vigo steht mit zehn Punkten aus vier Spielen nur zwei Zähler hinter Tabellenführer Barça auf Platz vier.

In einer Onlineumfrage der Sportzeitung "Mundo Deportivo" (Barcelona) äußerte sich über die Hälfte der Teilnehmer besorgt. Nachdem ter Stegen eine Ecke unterlaufen hatte, so dass Víctor Casadesús nur noch zum 1:3 einschieben musste, war ein Raunen durchs Camp Nou gegangen. Nicht nur die Zeitung "El Mundo" ging mit dem früheren Mönchengladbacher am Montag hart ins Gericht: Der Keeper zeige Symptome eines nervlichen Zusammenbruchs, hieß es.

Der Kritisierte räumte den Fehler nach dem Abpfiff zwar ein, bot den Reportern ansonsten jedoch die Stirn. "Wieso sollte ich meinen Spielstil ändern? Alles ist gut." Bei der Ecke habe es in der Abwehr des Heimteams "etwas Chaos" gegeben, sagte er.

Die Medien hielten sich mit Kritik aber nicht zurück: "Es scheint so, als ob der als nervenstark gefeierte Torwart mit dem Druck nicht fertig wird", schrieb "La Vanguardia", und fügte an, ter Stegen sei beim Gegentor "zu den Trauben gegangen", was man im deutschen Fußball-Jargon mit "Fliegenfänger" übersetzen würde. "AS" sieht beim 23-Jährigen einen Mangel an Selbstvertrauen, und "El País" stellte fest, auch die Spieler von Barcelona schauten "besorgt nach hinten", wenn ter Stegen im Kasten stehe.

In der Tat konnte der Keeper bei fünf Einsätzen in dieser Saison nie eine weiße Weste vorzeigen. Neben Unsicherheiten gab es drei markante Szenen: Eine schlechte Kopfballabwehr führte im Hinspiel des spanischen Supercup-Hinspiels bei Bilbao (0:4) zum ersten Tor. Dann kassierte der Deutsche vorige Woche im Champions-League-Duell bei AS Rom (1:1) erneut einen Treffer aus rund 50 Metern.

Und jetzt der Patzer gegen Levante. Dabei hatte ter Stegen eine Muskelverletzung von Liga-Stammtorwart Claudio Bravo ausnutzen wollen, um zur unangefochtenen Nummer eins bei den Katalanen aufzusteigen. Er hat noch rund zwei Wochen Zeit. Aber die Medienbeobachter sind skeptisch. "Bravo bekommt in letzter Zeit auch ohne zu spielen immer mehr Fans", schrieb "Sport", so etwas wie ein Hausblatt des Vereins. "El País" schlug in die gleiche Kerbe: "Wenn ter Stegen so weitermacht, wird er in der Liga bald wieder zuschauen müssen."

Trainer Luis Enrique nahm seinen Schützling erneut in Schutz. In Rom hatte er gesagt, der Treffer sei auf den gewollt riskanten Spielstil seines Teams zurückzuführen. Im Camp Nou erklärte der Coach: "Ter Stegen hat zur Zeit wenig Glück. Bei einem anderen Torwart würde ich mir wegen des Selbstvertrauens Sorgen machen, nicht aber bei Marc. Er hat die Selbstsicherheit im Blut."
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