Sozialdemokrat Petr Navrátil ist neuer Bürgermeister von Cheb/Eger
Koalition mit Kommunisten

Petr Navrátil. Bild: hfz
Nach ungewöhnlich langer Wartezeit steht Cheb unter neuer Leitung: Bürgermeister ist der Sozialdemokrat Petr Navrátil (CSSD), Erste Vizebürgermeisterin ist Daniela Seifertová (ANO), Dritter Bürgermeister der Kommunist Ing. Pavel Hojda (KSCM).

Vor kurzem wurde die KSCM noch als "Partei der alten Männer", als ein aussterbendes Relikt aus vergangenen Tagen belächelt. Doch bedingt durch die sehr geringe Wahlbeteiligung von 32,15 Prozent erreichte sie immerhin fünf Mandate im Stadtrat. Denn die Kommunisten gehen traditionell fast vollzählig zur Wahl.

Bislang war es in Cheb üblich, die Kommunisten im politischen Abseits stehen zu lassen. Dass Sozialdemokrat Petr Navrátil eine Koalition mit der KSCM einging, gleicht für viele Bürger einem Tabubruch. Schon Tage vorher war die beabsichtigte Koalition mit den Kommunisten bekannt geworden und es gab zahlreiche Versuche, dies zu verhindern. So hatte sich Petr Hruska, Pfarrer der Nikolauskirche, in einem offenen Schreiben an die neugewählten Stadträte gewandt. Er warnte davor, dass nach 25 Jahren wieder Kommunisten an die Macht kämen. Der Vater von Pfarrer Hruska musste einst unsägliches Leid ertragen, nachdem er als Gegner des kommunistischen Regimes "zur Liquidation ausgewählt" worden war.

Dr. Miroslav Plevný, Leiter der Wählervereinigung "Alternative", machte noch einen Tag vor der umstrittenen Bürgermeisterwahl ein Koalitionsangebot an die Parteien ANO, ODS (Bürgerpartei), an die Wählervereinigung "Koalice pro Cheb" (Koalition für Cheb) und die Gruppe "Svobodní" (Freiheitliche). Diese fünf Parteien hätten mit 20 Mandaten eine starke Koalition im Stadtrat bilden können.

Auf Duldung angewiesen

Die neue Koalition der Sozialdemokraten (CSSD), den politisch noch unerfahrenen Mitgliedern der neugegründeten Partei ANO und den Kommunisten (KSCM) hat zusammen nicht mehr als die Hälfte der Sitze (15) im Stadtrat. Für eine gesicherte Mehrheit bei den Abstimmungen ist sie auf die Duldung durch die vier Vertreter der ODS angewiesen.

Problematisch für viele Bürger ist, dass Cheb nun einen Kommunisten als Dritten Bürgermeister hat. Während in Tschechien die Sozialdemokraten ohnehin als den Kommunisten politisch nahestehend betrachtet werden, hat die ODS bei vielen ihrer konservativ geltenden Wähler nun an Ansehen verloren.
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