Spanische Musik und Temperatur

Eine dankbare Hörerschaft, unter ihr Kreischorleiter Richard Waldmann und Robert Kohl, Vorsitzender des Männerchores Weiherhammer, feierte die Darbietungen mit Jubelrufen. Der Innenhof der Grund- und Mittelschule erwies sich bei "spanischen Temperaturen" als ideale Freilichtbühne. Bild: do

Eintauchen in die Welt der Töne hieß es am Samstag vor der Eschenbacher Volksschule. Stadtkapelle und Liedertafel begeisterten bei ihrer Serenade mit einem Melodienzauber und einer "Fiesta voller Fröhlichkeit".

Der lauschige Innenhof der Markus-Gottwalt-Schule bewährte sich nach einem glutheißen Tag als festspieltauglich. Vor allem taten dies aber die Sänger und Musikanten. Noch nie war Spanien so nah, verkündeten die Conférenciers Marius Koslowski und Robert Dotzauer mit Blick in die Notenmappen und aufs Thermometer. Der Höhenflug in die Welt der Musik beschränkte sich aber nicht nur aufs "Sonnige Spanien". Bläser und Sänger gingen auf eine musikalische Weltreise. Der Musical-Schmelztiegel des Broadways fand ebenso seinen Platz wie ein Besuch bei den Beatles oder der erfrischende Hauch böhmischen Windes. Und auch ein Volkslied-Zyklus ergänzte das Programm.

Auch die Liedertafel präsentierte Verträumtes zeitgemäß. Die Sehnsucht und Anmut des Volkslieds bekam mit einem "Rhythmus im Wandel der Zeit" eine mitunter jazzig-moderne Version, die, auf dem Piano von Walter Thurn begleitet, dennoch den romantischen Überschwang der Komponisten und Zeitgenossen erkennen ließ. Die estnische Profi-Dirigentin Riita Michelson verstand es, die Ursprünglichkeit des deutschen Volksliedes zu vermitteln. Lückenlos setzte die Liedertafel die Heiterkeit in Harmonie mit der Stadtkapelle fort. Der "Böhmische Wind" erinnerte an Ernst Mosch, "Rosamunde, schenk mit dein Herz und dein ja" wurde zum rauschenden Abendvergnügen.

Bereits zur Eröffnung hatten die Bläser die "Tiroler Schützen" bejubelt. Nach den Volksliedern der Liedertafel demonstrierte beim "Ewig Schad" die Stadtkapelle beste Form. Einer böhmischen Polka folgte der furiose Auftritt eines neuen Sternes am Blasmusikhimmel. Der 15-jährige Marius Koslowski bezauberte mit einem Trompeten-Solo als Teil des "Hohen Friedbergers". In strahlender Laune bestätigte die Kapelle mit ihrem Dirigenten Thomas Murr im ersten Teil mit der Polka "Sternchen" den Eindruck: ein Galaabend mit vielen Sternchen.

Nun lag es an der Liedertafel, die Atmosphäre zu konservieren - und es gelang ihr. Mit Melodien aus dem "My Fair Lady" betrat der Chor neues Terrain. "Mit nem kleinen Stückchen Glück", "Ich hätt' getanzt heut Nacht" oder "Bring mich pünktlich zum Altar" und mit weiteren Ohrwürmern des Hit-Musicals fanden die Sänger ungeteilten Beifall. Riita Michelson und Thomas Murr wagten sich dann an "Yesterday" der Legende Paul McCartney. Eine gelungene Programm-Wahl, einfühlsam vorgetragen und stürmisch bejubelt.

Den Temperaturen angepasst entwickelte sich die Reise in das "Sonnige Spanien" zu einem weiteren Höhepunkt. Fortan erinnerten Vino Tinto und weiße Dörfer, Stierkult und Flamenco, Fiestas, Gitarrenklänge und leidenschaftliche Senoritas an ein Land voller Fröhlichkeit. Stadtkapelle und Liedertafel tauchten ein in die Gefühlswelten des Südens und schwärmten von der Lebenslust in "Espagna olé".

Mitten hinein ins Herz der Hörerschaft floss schließlich alpenländisches Nationalbewusstsein. Musikanten und Sänger solidarisierten sich mit "Dem Land Tirol die Treue" und die stürmisch geforderte Zugabe vereinte die Akteure im "Mir san mir"-Gefühl. In bayerischer Tiefgründigkeit vermittelten sie im "Marsch der Bayern": "Bayern - Freude, Lust am Leben, europäisch mittendrin, Bayern niemals aufzugeben, danach steht uns fest der Sinn".

Der fulminante Schlussakkord endete mit der Bayernhymne und einem Dankeschön der Vorstände Karl Ott (Liedertafel) und Martin Danzer (Stadtkapelle) an Mitwirkende und Besucher. Blumen und kleine Geschenke gab's für die "Maestros" Thomas Murr, Riita Michelson und Walter Thurn und für die Moderatoren Robert Dotzauer und Marius Koslowski.
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