Spannendes Hobby im Griff

Auch die Jugend lässt sich von Brieftauben begeistern. Allerdings kämpfen die Züchter wie viele andere Vereine auch mit Nachwuchssorgen. Bild: hia

Eine Brieftaube fachgerecht in den Händen zu halten, ist gar nicht so einfach. Es bedurfte da schon mehrerer Ansätze, bis bei der 34. Zuchtausstellung der Kirchenlaibacher Brieftaubenzüchter Heinz Kunnert zweiter Bürgermeisterin Simone Walter den richtigen Griff beigebracht hatte.

Walter war eine von vielen am Wochenende, die sich nicht die Gelegenheit entgehen ließen, sich im Schützenheim ein Bild von der Crème de la crème der Brieftaubenzuchtvereine der Reisevereinigung Pegnitz zu machen. Zwei Tage lang waren dort die 216 besten Zuchttauben präsent. 23 Züchter von Auerbach bis Immenreuth, Bayreuth bis Pressath hatten sie bei der 34. RV-Ausstellung zur Prämierung ausgestellt. Eine Stunde führten RV-Vorsitzender Holger Kunnert und Grenzlandflieger-Vorsitzender Heinz Daschner die Bürgermeisterin durch die Ausstellung und das Zuchtwesen. Ähnlich wie in einem Personalausweis sind alle Zuchtdaten eines Exemplars enthalten, erläuterte Heinz Kunnert. Gleichsam eine Bestandsaufnahme und ein Leistungsbarometer ist die Ausstellungsprämierung. Da sind drei Preisrichter schon mal fünf Stunden dabei, um die Tauben nach fünf Positionen zu richten. Entscheidend sind dabei der Gesamteindruck, welche Tauben über Jahre Top-Leistungen gebracht und die Anforderungen hinsichtlich Gefieder, Körperbau, Schönheit, Kopf, Harmonie, Form und Festigkeit des Rückens in besonderer Weise erfüllen, so Holger Kunnert.

Zu den Voraussetzungen für Spitzentauben zählt da bei der Haltung neben der optimalen Ernährung und medizinischen Versorgung auch die Schlaggestaltung, ergänzt Daschner. Ideal seien ein Kubikmeter Raum je Pärchen. Gute Tauben können dann bei idealen Bedingungen pro Tag 1000 Kilometer zurücklegen. Nach dem Start nehmen die Vögel direkt Kurs auf den Heimatschlag und erreichen während des Heimfluges Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h. Die Entfernungen betragen für Alttauben 100 bis 700 Kilometer, Jungtauben bewältigen Strecken von 80 bis 300 Kilometer, berichtet Holger Kunnert. Auch die technische Entwicklung hat vor den Brieftauben nicht Halt gemacht. Bei der Bewertung der Flüge kommt heute mit Konstatiersystemen modernste Elektronik zum Einsatz. Früher mussten alles mit der Hand geschrieben und Fußringe manuell erstellt werden. Heute wird die Taube mit digitalen Daten und einer Funkantenne in den Fußringen auf die Reise geschickt. Für Luca (7), Ronja (13) und Alina (15) Kunnert ist neben der Fürsorge ihrer Lieblinge gerade dieses Warten auf das Eintreffen der Tauben Spannung und Nervenkitzel pur.

"Nach einer Stunde nach dem Start schauen wir regelmäßig gegen Westen in den Himmel, ob eine unserer Tauben als winziger Punkt ausgemacht werden kann", kommt der Siebenjährige ins Schwärmen. "Und wenn dann die Erste der Einsatzstelle in den Schlag zurückgekehrt ist, geht es ans Auswerten", so die 13-Jährige. Die Kunnert-Kinder des RV-Vorsitzenden Holger Kunnert sind da aber eher die Ausnahme. Daschner macht der Bürgermeisterin gegenüber keinen Hehl daraus, dass den Brieftaubenzuchtvereinen die Jugend fehlt. "Wir würden unser ganzes Know-how, unsere Spitzentauben, die gesamte Technik und Ausstattung jedem, der sich interessiert, zur Verfügung stellen", sagt er. Dies ist umso tragischer, gehören die Kirchenlaibacher doch zu den renommiertesten Brieftaubenzüchtern und Schlaggemeinschaften der oberfränkischen und Oberpfälzer Reisevereinigungen.

Stefan Busch, Otto Fischer, Heinz Daschner, Heinz, Holger, Alina und Ronja Kunnert und Josef Dötsch vom Verein 09765 Grenzlandflieger Kirchenlaibach und Max Opitz, Franz Steiner und Hubert Fick vom Verein 01632 Point-Stürmer haben sich seit 45 Jahren der Zucht von Brieftauben verschrieben. 900 Tauben betreuen sie. Jedes Jahr schicken sie bei durchschnittlich 15 Flügen bis zu 400 Tiere auf die Reise. Nicht selten fahren sie im Jahr über 100 Preise ein.

Auch am Samstagabend gehörten Luca, Ronja und Alina zu den Siegern der Ausstellung. Neben Platz eins in der Gesamtwertung heimsten sie elf Ehrenpreise ein. Kein Wunder, dass den Nachwuchszüchtern die Begeisterung ins Gesicht geschrieben steht. Nicht minder beeindruckt zeigte sich Simone Walter, die am Ende resümierte: "Der Brieftaubensport von der Haltung über die Einsätze bis zu Wertung ist fast schon eine Wissenschaft für sich und erfordert absolutes Know how und Idealismus - Respekt allen, die sich hier engagieren."
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