Spaß nach Strich und Faden

Ihre Namen: Sabine Bäumler und Elfriede Eberhardt. Ihre Leidenschaft: Handarbeit. Ihre Mission: Mit ihrem Hobby Gutes tun. An diesem Wochenende kommen wieder ihre Werke zum Einsatz.

Schirmitz. (esc) Vor den Frauen des Katholischen Frauenbundes in Schirmitz ist nichts sicher: Die Damen sticken, häkeln und stricken was das Zeug hält. Tücher, Eier, Fahnen, Decken - alles wird mit Kreuzstichen und Mustern versehen. Besonders gefragt sind die kleinen Deckchen für die Osterkörbchen: In der Osternacht werden die mitgebrachten Speisen geweiht und dafür soll der Korb schön aussehen.

"Einfach ist nix"

Die Tücher zu besticken, ist alles andere als einfach. "Da kommt es schon zwischendurch vor, dass ich immer wieder mal was auftrennen muss", sagt Sabine Bäumler. Sie ist schon lange im Geschäft: Die 88-Jährige stickt "schon immer", wie sie selbst sagt. Ihre Cousine Elfriede Eberhardt macht die Vorarbeiten. "Ich schneide die Tücher zu und säume sie ein", erzählt die 80-Jährige.

Dann ist Bäumler an der Reihe. Für ihre Feinarbeiten nimmt sie ihre Brille ab. "Die brauch' ich ja bloß für die Ferne", erklärt sie. Dann geht's auch schon los: Das rote Garn fädelt sie in die Öse der Nadel. "Die muss stumpf sein, weil sonst der Faden ausfranst", sagt sie. Dann setzt sie die Nadel an: Ein Stich nach dem anderen, und immer wieder kontrollieren, ob auch die Anzahl der gestickten Kreuze noch stimmt. Sonst heißt es auftrennen.

"Einfach ist praktisch nix", weiß Bäumler. "Aber der Kranz ist schon am schwierigsten zu machen, weil eben die Anzahl der Stiche stimmen und der Kreis sich wieder schließen muss." "Das ist schon sehr viel Arbeit", bestätigt Eberhardt. Sie zählt immer wieder nach, ob alles passt. Eine besondere Herausforderung war das große Altartuch, das die Frauen vor 15 Jahren bestickt haben. Insgesamt 30 Kästchen haben sie damals auf das etwa 1,60 Meter hohe und 1,70 Meter breite Tuch gestickt, sechs waagrecht und fünf senkrecht. Darauf sind die 14 Stationen des Kreuzwegs abgebildet. "Knapp 55 000 kleine Kreuze haben wir darauf gestickt", erzählt Elfriede Eberhardt.

Auf die kleinen Tücher für das Osterkörbchen und die Fahnen für die Osterlämmer kommen zwar nicht tausende Kreuzchen, dennoch ist auch das eine kleine Herausforderung. Nach dem Ausmessen und Einsäumen beginnt Bäumler mit dem Rand und stickt darin ein Muster. Dann legt sie das Tuch zusammen, um die Mitte zu bestimmen. Daran orientiert sich die 88-Jährige, um mit dem Kranz zu beginnen. Darin stickt sie das Osterlamm, die Seiten zieren Wellenlinien. Die Häkelbordüre kaufen die Handarbeiterinnen mittlerweile fertig. "Früher hat das eine Cousine von uns gemacht", erzählt Eberhardt. "Das ist aber so schwierig, vor allem die Ecken, dass wir die Häkelspitze jetzt fertig kaufen." Für den Stoff fahren die Damen bis nach Marktredwitz, weil sie den in der Gegend nicht mehr bekommen.

Erlös für guten Zweck

Rüstig und lustig sind die beiden - klar, dass es da bei ihren Stick-Treffen alles andere als traurig zugeht. "Meister ich bin fertig, darf ich ribbeln (reiben)", fragt Bäumler nach getaner Arbeit ihre Helferin. Und dann geht das Gelächter auch schon los. Die beiden sind in Schirmitz bekannt. Eberhardt ist berühmt für ihre Witze und ihr Schauspieltalent.

Der katholische Frauenbund Schirmitz verkauft die Werke von Bäumler und Eberhardt sowie andere Bastelarbeiten der Mitglieder bei Basaren. Der Erlös kommt sozialen Einrichtungen zugute. Schon Karl-Heinz Böhm hat von den Stickereien der Schirmitzer Frauen profitiert: Ihre Einnahmen haben sie für seine Organisation "Menschen für Menschen" gespendet. Letztes Jahr war der Verkauf ein voller Erfolg: Knapp 500 Euro haben die Damen vom Katholischen Frauenbund eingenommen.

Dieses Wochenende ist es wieder so weit: Osterschinken, Eier, Brot und Salz kommen in das Körbchen für die Speisenweihe in der Osternacht. Mit den Weihtüchern der Schirmitzer Frauen kommen die geweihten Speisen dann besonders gut zur Geltung.
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