"Spekulatius" heißt "Bischof"

Einen besinnlichen Adventsabend gestalteten 15 Zessauer in der Herz-Jesu-Kirche - und ernteten von den rund 100 Besuchern begeisterten Beifall. Bild: bjp

Eine Stunde Advent ohne Hektik: Die Zessauer hatten am Wochenende dazu eingeladen. In ihrer Herz-Jesu-Kirche boten sie eine Einstimmung aufs Fest jenseits allen Kommerz'.

"Seht, drei Kerzen brennen schon. Gott schickt Jesus, seinen Sohn zu uns in die Welt hinein: Er wird immer bei uns sein." Für eine Dreiviertelstunde dem Kommerz und der Hektik der Vorweihnachtstage entfliehen: Dazu lud die Zessauer Dorfgemeinschaft in die Herz-Jesu-Kirche ein. An die 100 Gäste aus der ganzen Gemeinde Trabitz, aus Pressath und Kastl füllten das kleine Gotteshaus und erfreuten sich an Geschichten und Gedichten rund um Gott, Geschenke und Gebäck.

Den Auftakt setzten Katharina und Hannes Dobmeier, Christian Maier und Anna-Maria Wittmann mit ihrem "Kerzenspiel": Als Sinnbild der Verbundenheit zwischen dem menschgewordenen Gott und den Christen entzündeten sie zu nachdenklichen Versen vier Adventskerzen auf dem Altar und die an allen Kirchenbänken angebrachten Wachslichter. Mit den Gedichten "Weihnachten ist ...", "Weihnachtsengel" und "Wir wünschen euch zur Weihnachtszeit" riefen die vier Jugendlichen und ihre Freunde Magdalena Wittmann und Christian Laugensteiner den Sinn der Weihnachtstage als Fest der Nächstenliebe, des Friedens, der Stille und der Hoffnung in Erinnerung.

Der Aufpasser

Geheimnisse rund um den "bunten Teller" verriet Bettina Heining in einer "süßen Weihnachtsgeschichte". Überrascht erfuhren die Zuhörer, dass der Spekulatius eine Reverenz an den heiligen Bischof Nikolaus sei. "Spekulatius" heiße auf Lateinisch "Aufseher", und das Gleiche bedeute auch das griechische "episkopos", aus dem das deutsche Wort "Bischof" entstanden sei. Die Zimtsterne symbolisierten den Stern von Betlehem, das Wort "Lebkuchen" bedeute eigentlich "Arzneikuchen" und verweise auf den an Weihnachten geborenen Heiland als "Arznei für Leib und Seele". Der Christstollen schließlich bilde das in Windeln gewickelte Kind in der Krippe nach.

Legende vom Licht

In Einsamkeit und Traurigkeit sollte an den Christtagen niemand zurückbleiben, mahnte Sabine Maier mit dem Gedicht von der "(Gem)Einsamen Weihnacht". Mut machte die von Anna Laugensteiner vorgetragene Geschichte von den "drei Wünschen": Wer Jesus vertraue, dürfe stets auf seine Vergebung für alles "Ungenügende", "Zerbrochene" und "Böse" im eigenen Leben hoffen. Die Legende vom Weihnachtslicht des armen Hirtenjungen erzählte Bernadette Haas. Doch auch heitere Glanzlichter fehlten nicht. Viel zu lachen gab es bei Bernhard Dötschs und Albert Lobers bravourösem Auftritt als festtagsgeplagte und bei der Geschenkeauswahl nicht immer treffsichere Familienväter.

Zum Schmunzeln reizte auch Stephan Müllers plastische Schilderung des "Chaos an Heiligabend". Mit dem gereimten Stoßseufzer "Von wegen stille Zeit" verbanden Magdalena Wittmann, Anna und Christian Laugensteiner den Rat, die Tage "zwischen den Jahren" zum Kräftetanken für das gewiss wieder turbulente neue Jahr zu nutzen. Aufgelockert wurde das Programm mit Musikstücken von Christiane, Veronika, Johanna und Barbara Dötsch und einem a cappella von Adrian Haralambie gesungenen rumänischen Weihnachtslied über die wahre Weihnachtsfreude, die nicht in materiellem Überfluss liege, sondern darin, "Gott in die Häuser und Herzen zu lassen". Zum Schluss stimmten alle "Es ist ein Ros entsprungen" an, um sich danach auf Einladung von Simone Dobmeier noch zu Bratwurst, Glühwein und Gebäck im Gemeinschaftshaus zu treffen.
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