Spielplatz für Ross und Reiter

Sabine Banczyk führt ihr Pferd Matti durch einen Graben. Pferdebesitzer wie sie üben mit ihren Tieren auf sogenannten Extreme Trails wie hier in Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Bilder: dpa

Es geht über kreuz und quer liegende Äste und Stämme oder sogar über eine schwankende Hängebrücke: Viele Pferdebesitzer probieren sich und ihre Tiere auch in der Oberpfalz auf sogenannten Extreme Trails aus.

Vorsichtig setzt Matti einen Huf vor den anderen. Das Fjordpferd hält die Nase tief über den Boden und sucht sich seinen Weg über die kreuz und quer liegenden Äste selbst. Mattis Besitzerin Sabine Banczyk läuft etwa eineinhalb Meter neben ihrem Pferd her. Nur kurz lässt sie den langen Führstrick in seine Richtung schwingen, als das Pferd ihr etwas zu nahe kommt. Brav geht das achtjährige Tier daraufhin wieder in die Mitte des Hindernisses. Sabine lobt ihr Pferd und führt es weiter.

Die beiden probieren sich an diesem Tag an einem sogenannten Extreme Trail in Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Dabei gilt es, die verschiedensten Übungen zu absolvieren: vom Stangen-Mikado über Gräben oder Wasserstellen bis zu einer wackelnden Hängebrücke. Der Sinn des Ganzen: Die Trittsicherheit und das Gleichgewicht der Pferde trainieren und das Vertrauen zwischen Mensch und Tier stärken.

Sprache der Pferde

"Ich bin viel mit Matti im Gelände unterwegs, mache Wanderritte und so etwas", erzählt Sabine. Dafür trainiert sie hier. Die 35-Jährige ist mit ihrer Freundin Sonja Kriegenhofer zu dem Extreme-Trail-Kurs gekommen. Sonja und ihr Pferd Remo waren schon einmal in einem solchen Park. "Wenn wir im Gelände mal in solche Situationen kommen, wollen wir gewappnet sein", erklärt die 27-Jährige. "Die Schwierigkeit ist vor allem, dass das Pferd auf dem Hindernis in der Mitte bleibt und nicht zu einem rüber kommt", erklärt Sonja.

Um das zu verhindern, sollen die sieben Teilnehmer vor allem ihre Körpersprache einsetzen. "Das ist die Sprache, die Pferde am besten verstehen, denn so verständigen sie sich auch in der Herde", erklärt Parcours-Besitzerin Katja Brendel. Die Menschen sollen lernen, ihre Pferde am langen Seil durch die Hindernisse dirigieren zu können. Ziehen und zerren am Strick ist tabu.

"Der Mensch soll am Ende nur noch wenige Hilfen geben müssen. Er ist eigentlich nur noch zur Deko da, denn die Pferde sollen selbst nach dem besten Weg suchen", ergänzt Brendels Mann Alex Lippert. Viele Reiter störten ihre Pferde jedoch eher, als dass sie ihnen helfen. "Die Reiter sollen lernen, einfach mal loszulassen", sagt Brendel. "Dass sie sich auf ihr Pferd verlassen können." Was am ersten Kurstag vom Boden aus geübt wird, soll am zweiten Tag dann nämlich auch vom Sattel aus klappen.

Doch nicht jeder Teilnehmer kommt sofort gut mit den knapp 90 natürlichen und gebauten Hindernissen auf der Anlage klar. Manche Pferde passen kaum auf ihre Besitzer auf oder rennen sie sogar um. Brendel hilft einer Frau mit einem eigensinnigen Haflinger. Das Tier läuft immer kurz vor dem Ende der Übung davon.

Nur keine Hektik

Geduldig geht die 30-Jährige das Hindernis immer wieder mit dem Pferd durch. Ganz langsam, Schritt für Schritt, denn auf Geschwindigkeit kommt es nicht an. "Die Schwierigkeit an den Hindernissen ist, dass der Mensch jederzeit die Kontrolle behält. Er muss das Pferd jederzeit stoppen, drehen oder rückwärts richten können - also immer die Aufmerksamkeit haben", erklärt Brendel. Ganz billig ist das Vergnügen übrigens nicht: Ein Zwei-Tages-Kurs in Auerbach kostet 200 Euro.

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Online-Story "Die Oberpfalz: Eine Region für Pferde": www.oberpfalznetz.de/pferde
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