Spitzzüngige Geschwisterpaare

Alte Melodien unterlegen die "Stauber-Moila" mit frechen neuen Texten und tragen sie mit ihrer Begleiterin Rita an der Gitarre vor.

Ehrlich sind sie, der Sigi und der Erich. "Ja, ich und mei Bruder, mir san zwei Luder", verrieten sie den Zuhörern beim Sänger- und Musikantentreffen in Hohenstadt. Den Ottenschläger-Brüdern standen die Stauber-Moila als weibliches Gegenstück nicht nach.

Ein voller Saal und eine Riesenstimmung - das Sänger- und Musikantentreffen im Markgrafensaal machte wieder Furore. Initiatorin Christa Nürnberger hatte vier perfekt aufeinander abgestimmte Gruppen ausgewählt, und Hermann Frieser führte ebenso humorvoll wie kenntnisreich durch den Abend.

Alte Melodien, neue Texte

Das Herzstück der Auftritte bildeten die Alfelder Musikanten, die mit dem "Pirner-Schottisch" und dem "Wallerkirwa-Ländler" den schneidigen Auftakt übernahmen. Dann hieß es "Gut'n Ahmd, liebe Leit" von Hermann Frieser. Auch Christa Nürnberger begrüßte die Gäste und dankte vor allem ihren fleißigen Helfern.

Die "Stauber-Moila" sind zwei fesche junge Damen. Zusammen mit Rita an der Gitarre nehmen sie sich gerne alte Melodien vor und unterlegen sie mit neuen Texten. Ausgesprochen zungenfertig, widmeten sie sich dem Lied "Springt der Hirsch", um danach mit dem "Affen und dem Löwen" die ABM-Maßnahmen des Arbeitsamts zu veräppeln. Beim "Wirtshauslied" nickte so mancher Zuhörer wehmütig, und die Entwicklungsstufen von "Verliebt, verlobt, verheiratet" kannte das Publikum großteils aus eigener Erfahrung. "Sammer ledig, sammer lustig" glaubte man den kecken Moilan aufs Wort.

Quasi als männliches Gegenstück kamen die Gebrüder Ottenschläger, auch als "Sigi und Erich" bekannt, daher. Der Erich ist der Stillere von beiden, was aber der Sigi voll und ganz ausgleicht. Begleitet von "Quetschn" und Gitarre, ließen die beiden in ihren bayerisch-böhmisch-Oberpfälzer "Stückeln" tiefe Einblicke in ihre Befindlichkeiten zu. "Ja, ich und mei Bruder, mir san zwei Luder" gaben sie zu; erzählten, wie "mir zwa auf die Welt san kumma" und zeigten bei einem "jodeligen" Stück auch eine sentimentale Seite.

Das Lied von der Uhr

Auf besonderen Wunsch gab es das anzügliche "Lied von der Uhr", und der ganze Saal stimmte begeistert ein in "Weil i glei net vo Firabo bin". Als Sigi auf den Stuhl stieg, entwickelten sich beim "Heimgehn von der Stanz" derartig zungenbrecherisch lange Wiederholungen, dass der folgende Super-Applaus verdient war.

Ruhigere Töne schlug die Gruppe "Feierahmd" an. Unter Leitung von Cornelia Renner kamen Gitarre, Akkordeon, Zither und Hackbrett zum Einsatz, lauschte das Publikum der "Frohsinnpolka", dem "Zuwiglwogl-Ländler" und dem "Schoiberer". Auf Walzerträume folgten der "Postfelderländler" und das "Stampflgroom". Mal zart hingetupft, mal beschwingt, immer bestens aufeinander eingestellt, schufen die vier "Feierahmd"-Mitglieder den instrumentalen Kontrapunkt zu den Sängern.

Alfelder bitten zum Tanz

Natürlich brachten sich auch die Alfelder Musikanten immer wieder einmal zu Gehör. Zum Beispiel mit dem "Posthörnl-Walzer", dem "Waßlpäiter-Schottisch", einem schneidigen Zwiefachen oder dem "Eichlbauer-Bairischen".

Zwischen den Auftritten hatte Frieser die ungeteilte Aufmerksamkeit bei Exkursen in die Geschichte, Erklärungen zum "Zwiefachen" oder der kaum bekannten Tatsache, dass die "Erdäpfel" schon lange vor der Regierung Friedrichs des Großen in Franken angebaut wurden. Am Ende gab's langen Applaus, und weil's so schön war, baten die Alfelder Musikanten abschließend noch zu einem Tanz.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hohenstadt (21)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.