"Sprechende Geldautomaten"

"Was einer allein nicht kann, das schaffen wir gemeinsam." Diesem Motto verschrieben sich vor 120 Jahren 37 Männer aus Roggenstein, Kaimling, Lämersdorf und Zeßmannsrieth mit dem Darlehenskassen-Verein Roggenstein und legten damit den Grundstein für die heutige Raiffeisenbank-Geschäftsstelle.

"Bauern, Gütler, Steinhauer, Schmiede, Maurer, Schuhmacher, Wirte, Schneider, Müller und Zimmerleute - Menschen aus unserer Mitte waren die Wegbereiter des Darlehenskassen-Vereins im Jahre 1895", sagte Vorstand und Direktor Karl Völkl am Samstag beim Jubiläum im Feuerwehrhaus Roggenstein vor zahlreichen Ehrengästen. Gekommen waren ebenso die Vorstandskollegen und Direktoren Robert Stahl und Werner Bäumler. Dem Festakt ging ein Gedenkgottesdienst zu Ehren der verstorbenen Mitglieder in der Pfarrkirche St.-Erhard voraus, den Pfarrer Gerhard Schmidt zelebrierte.

Besser Zukunft das Ziel

Zur Gründungsversammlung des Darlehenskassen-Vereins hatte am 2. Februar 1895 der damalige Bürgermeister und Ökonom Paul Bodensteiner in den Schulhaussaal eingeladen. Der Festredner war sich sicher, dass die damals 37 Gründungsmitglieder eine positive Aufbruchsstimmung verbreiteten, mit der Gewissheit, eine lebenswerte, bessere Zukunft zu schaffen. "In den 120 Jahren hat sich sehr viel verändert. Doch eines ist geblieben: Die Menschen, die die Raiffeisenbank tragen und darin arbeiten, sprechen noch heute die selbe Sprache und teilen die gleichen Ängste und Freuden."

Prinzregent regierte

Völkl spannte einen Bogen zum damaligen Königreich Bayern, das Teil des Deutschen Reiches unter Kaiser Wilhelm II. war. Bei der Gründung des Darlehenskassen-Vereins regierte Prinzregent Luitpold im Namen des geisteskranken Königs Otto. "Die Menschen in der Region sind Garant für die Erfolgsgeschichte der kleinen Geschäftsstelle, die alle Herausforderungen in den 120 Jahren gemeistert hat", versicherte Völkl. 760 Einwohner leben im Einzugsbereich der Raiffeisenbank des Ortsteils. Davon sind 645 Bewohner Kunden und 413 sogar Mitglieder. Diese stolzen Zahlen seien Beweis für die enge Verbindung und große Unterstützung.

Teil des Dorfes

"Die Raiffeisenbank ist Teil der dörflichen Gemeinschaft", war sich Völkl sicher. Der Vorstand sicherte zu, dass es keine Überlegung zu einer Strukturänderung bei der Geschäftsstelle gebe. Geschäftsstellenleiter Gerhard Pankotsch und seine Stellvertreterin Sabine Striegl seien nicht zuletzt Grund für die enge Verbindung zur Bevölkerung und den Vereinen, lobte Völkl seine Mitarbeiter. "Die wichtigsten Ehrengäste sind heute unsere Kunden", hob Pankotsch hervor, der seit 30 Jahren die Geschicke der Geschäftsstelle leitet und allen für das Vertrauen dankte. Seit dieser Zeit haben sich die Einlagen um 400 Prozent und die Ausleihe um mehr als 1100 Prozent erhöht, nannte der Redner beeindruckende Zahlen.

Zwar gebe es in Roggenstein keinen Geldautomaten, wie Völkl einräumte, dafür einen "sprechenden Geldautomaten", der die Kunden beim Betreten der Geschäftsstelle freundlich begrüße und ebenso freundlich wieder verabschiede. "Er kennt meist ihre Kontonummer, braucht weder eine EC-Karte noch PIN, gibt das Geld von Hand zu Hand und heißt Sabine Striegl oder Gerhard Pankotsch."

Pankotsch richtete die Bitte an dritten Bürgermeister Johann Gollwitzer, den Ortsteil neben dem Zentrum Vohenstrauß nicht zu kurz kommen zu lassen. "Lassen wir die Region nicht ausbluten. Kaufen wir in der Region, dann wird unsere Heimat, der Oberpfälzer Wald, weiterhin ein lebenswerter Lebensraum bleiben." Der Geschäftsstellenleiter dankte der Feuerwehr für die Überlassung des Gruppenraums und für die Bewirtung.

Der örtliche Historienforscher Karl Kammerer hatte die Bilderwand mitgestaltet. Pankotsch freute sich, dass mit Josef Grundler, Gerhard Pohl und Regina Wolf auch ehemalige Roggensteiner Mitarbeiter zur Feier gekommen waren. Raumpflegerin Maria Schuller erhielt ebenfalls Lob für ihre Hilfsbereitschaft. In seinem Grußwort betonte der Bürgermeister-Vertreter, wie wichtig Bürgernähe sei. Er selbst habe hautnah den herben Verlust der Raiffeisenbankfiliale in Altenstadt miterlebt. "Das war für die Dorfbewohner damals ein schwerer Rückschlag."
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