Springlebendiger Blues und Soul

"San2 & his Soul Patrol" rissen auf der Schafferhof-Tenne die Gäste mit eindrücklichen Gesten, einer bewegten Show und fetziger Musik mit. Bild: gag

"Es ist genau 11 Jahre, 24 Tage und 12 Stunden her, dass wir das letzte Mal hier waren", behauptete San2. So lange? Dabei sah der schlanke Sänger aus wie höchstens 28, stellte das Publikum erstaunt fest.

Die Show, die San2 mit seinen Freunden bot, war ausgereift und mitreißend. "I wanna give it to you" mit sexy Michael-Jackson-Tanz- und Beckenbewegungen oder "Ain't that fine" von Ray Charles ließen besonders das weibliche Publikum schmelzen. Ein rockiges Solo von Gitarrist Sebastian holte auch den Rest der Zuhörer aus der Reserve.

Die "Soul Patrol" brachte teils bekannte Hits in sehr eigenen Versionen, die manchmal besser als im Original klangen. Soulig, bluesig, rockig, San2 und seine Freunde haben es drauf. Ein Begleiter war an diesem Schafferhof-Abend Hansi Enzensperger, ein absoluter Könner in Sachen Hammond-Orgel und Keyboard, mit einer Orgel aus den 50er Jahren und dem dazu gehörenden Leslie-Verstärker mit ebenso vielen Jahren auf dem Buckel. Mit Peter Oscar Kraus saß ein weiterer Sänger und bekannter Name an den Drums.

Bass und Bläser

Der langjährige Weggefährte Sebastian Schwarzenberger gab mit E- und Akustikgitarre den Ton an. Virtuos am Bass spielte Dominik Palmer. Und dann war da noch eine Bläsersektion, bestehend aus Daniel Schmidt (Sax), Peter Palmer (Posaune, Bruder von Dominik) und Ersatztrompeter Dominik Glöbel (Bayerische Löwen). Alles zusammen ergab ein begeisterndes Konzert, das die Zuhörer mitriss, egal ob auf Steh- oder Sitzplätzen.

Spezialität und Leidenschaft zugleich ist für San2 die Blues Harp. Einen ganzen Koffer voll mit zehn unterschiedlichen Mundharmonikas hatte er dabei. Woher diese Leidenschaft kommt erzählte er auch: "Mit 17 Jahren besuchte ich das 'Blues to Bop Festival' in Lugano. Dort lernte ich Carey Bell kennen, der mich so begeisterte, dass ich mir daraufhin das Mundharmonika-Spielen selber beibrachte."

Sein neues Album "By my side" stellt er am 24. April vor, Appetithappen daraus gab er dem Schafferhof-Publikum zu kosten. Weitere Stücke entstammten den Alben "Absolutely Barefoot" oder den "Munich Sessions". Der Titelsong "One-two-three you're good for me, three-four-five-stay by my side" klang funky und hatte Mitsingqualität. Auch "How strong love is" findet sich auf der neuen CD. Ob Michael-Jackson-, Elvis- und Beatles-Hits oder Eigenkompositionen, das Feuerwerk an Rhythm'n'Blues, Soul, Funk und Rock'n'Roll ließ es nicht zu, dass noch jemand still saß. Und auch der Sänger tanzte auf der Bühne mit Bewegungen wie James Brown oder Elvis Presley.

Spannend waren auch die beiden Duette von San2 und Sebastian Schwarzenberger mit Akustikgitarre, sitzend auf zwei Cajons, die dieses Mal nur Sitzgelegenheiten waren. "Hallelujah I love her so" swingte San2. Ständig bezog er bei seinen Songs das Publikum mit ein, kommunizierte, scherzte und ließ es den Refrain singen oder einfach ein "Ba-ba-ba" mit Fingerschnippen.

Dass bei so viel Bühnenpräsenz und Lockerheit natürlich schnell der Bann gebrochen war, kann jeder verstehen. Und dass bei so viel Begeisterung aus dem zweimal versuchten Abschied von der Bühne nichts werden würde, auch. Pfeifend, trommelnd, stampfend und klatschend forderte das aufgekratzte Publikum "Zugabe!"

Treppe rauf und runter

Mehrmals mussten die Musiker noch den Weg über die Dachbodentreppe auf die Bühne nehmen, bevor San2 zusammen mit Gitarristen Sebastian sich mit einer ruhigen Akustiknummer endgültig verabschiedete. Den nächsten Auftritt am Samstag im "Milla" in München legte er dabei all seinen alten und neu gewonnenen Fans ans Herz.
Weitere Beiträge zu den Themen: Neuhaus (1343)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.