SpVgg Weiden kontra FC Amberg: Wolf-Rüdiger Franz blickt zurück - Vorfreude auf das Duell am ...
"Es war immer Brisanz in den Derbys"

Wolf-Rüdiger Franz erlebte als Berichterstatter für unsere Zeitung viele Derbys zwischen Weiden und Amberg - auch den 2:1-Sieg der SpVgg im Mai 1985 vor der Kulisse von 6000 Zuschauern. Bild: af
Weiden. (af) Der Wetterbericht sagt zwar kühle 7 Grad voraus, dennoch wird es am Samstag im Sparda-Bank-Stadion heiß hergehen. Denn es ist Derby-Zeit. SpVgg SV Weiden kontra FC Amberg - das Duell ist ein Klassiker im Oberpfälzer Fußball, eines das vor allem in den 80er und 90er Jahren die Massen mobilisiert hat. Wolf-Rüdiger Franz war damals "unser Mann" vor Ort, er verfasste die Zeitungsberichte. Wer wäre besser geeignet, auf die Neuauflage des Fußball-Schlagers einzustimmen?

Herr Franz, die Frage erübrigt sich wahrscheinlich: Werden Sie am Samstag im Stadion sein?

Franz: Natürlich. Früher wurde von so manchem abgestritten, dass ich eine emotionale Verbindung zum Vereine habe. Aber das stimmt nicht. Ich bin der SpVgg treu verbunden. Auch wenn ich nicht mehr für den Neuen Tag berichte, bin ich, wenn es geht, bei jedem Heimspiel dabei. Ich freue mich auch auf diesen Samstag.

Schwarz-Blau gegen Gelb-Schwarz - da kommen sicherlich Erinnerungen hoch. Welchen Stellenwert hatten denn diese Nachbarduelle?

Franz: Es war immer Brisanz in den Derbys. Schon alleine deshalb, weil im Laufe der Jahre viele Amberger Spieler nach Weiden wechselten. Umgekehrt war das eher nicht der Fall. Hans Dotzler, Josef Wagner, Oskar Fürtsch, Gerhard Donhauser, Lutz Ernemann, Jürgen Kirschbaum oder auch Armin Götzer fallen mir da ein. Und natürlich Peter Meßmann.

Ein Abwehrrecke, einer der Leistungsträger in den 80er Jahren schlechthin ...

Franz: Ja, Ohne die Leistung anderer zu schmälern, aber Meßmann hat die SpVgg mit am meisten nach vorne gebracht. Die Amberger haben später selbst zugegeben, dass es ihrgrößter Fehler gewesen war, dass sie ihn ans Wasserwerk ziehen ließen.

Eine besondere Rolle im Verhältnis beider Vereine spielte auch ein Trainer. Der im Jahr 1998 verstorbene Karel Finek coachte sowohl die Weidener als auch in Amberg...

Franz: Finek wurde von der SpVgg Weiden vier Mal als Trainer verpflichtet. Das Verhältnis zum Vorsitzenden Gustl Hegner war ein merkwürdiges, ich würde es als eine Art Hassliebe bezeichnen. Da gab es Hahnenkämpfe, da ging es ums Prestige. Und das endete mit der unerklärlichen Entlassung zum Ende der Saison 1984/85. Da war die SpVgg gerade Meister der Landesliga Mitte geworden, trotzdem musste Finek gehen.

Es war die Saison, als das Derby gegen Amberg die Rekordkulisse von 6000 Zuschauern ans Wasserwerk lockte...

Franz : Offiziell waren es 5679 Zahlende. Es war der 18. Mai 1985, der vorletzte Spieltag. Ein Unentschieden hätte der SpVgg schon zum Titelgewinn und zur Bayernliga-Rückkehr gereicht, aber Heinz Schneider erzielte in der Nachspielzeit sogar den Siegtreffer zum 2:1.

Welches der Derbys ist ihnen noch in Erinnerung?

Franz: Der 3:1-Sieg in Amberg im Jahr 1990. Das vielleicht beste Spiel, das ich je von der SpVgg gesehen habe. Weiden hatte einen Ballbesitz von gefühlt 90 Prozent. Amberg verlor auch das Rückspiel 2:5 und stieg aus der Bayernliga ab. Es ging aber auch anders rum. Einmal verlor die SpVgg mit 0:4 in Amberg. Alle vier Tore erzielte Josef Wagner binnen nicht einmal einer halben Stunde.

Wie würden sie die Qualität des Bayernliga-Fußballs von früher und heute vergleichen?

Franz: Man muss sehen, dass die Bayernliga damals drittklassig war. TSV 1860 München, FC Augsburg, Jahn Regensburg, die Ingolstädter Vereine, die spielten alle in der Bayernliga. Heute ist diese Liga fünftklassig, das schlägt sich bei allem Wohlwollen natürlich im Niveau nieder. Wobei ich sagen muss: Die Vereine, die jetzt um die Meisterschaft spielen, sind sicher gut.

Wo sehen Sie die Stärken des aktuellen Weidener Teams?

Franz: Die mannschaftliche Geschlossenheit ist ein starker Trumpf. Es herrscht ein guter Geist in der Truppe, das kommt auf dem Platz auch rüber. Dominik Forster ist natürlich als Torwart ein starker Rückhalt, genauso wie Peter Schecklmann im Mittelfeld. Das ist im übrigen der letzte übrig gebliebene Spieler, über den ich noch berichten durfte. Thomas Schneider ist ein Super-Techniker, mit Christoph Hegenbart und Ralph Egeter hat man auch im Angriff Potenzial. Christian Stadler halte ich für einen exzellenten Trainer. Seine Handschrift ist deutlich erkennbar.

Und der FC Amberg?

Franz: Der hat nachweislich einen starken Aufwärtstrend. Es treffen bemerkenswert gute Mannschaften aufeinander. In einem solchen Spiel kann alles passieren. Da entscheiden Kleinigkeiten. Ein Unentschieden würde mich nicht überraschen.

Wie stehen Sie zu einem möglichen Regionalligaaufstieg?

Franz: Was möglich ist, müssen die Verantwortlichen beurteilen. Als Außenstehender redet man sich da zu leicht. Ich verfolge aber mit größtem Respekt, wie in Kenntnis der Grenzen und ohne finanzielle Abenteuer vernünftig gearbeitet wird. Das ist der einzig gangbare und richtige Weg.
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