St. Magdalena ganz nackert

Es riecht nach feuchtem Putz und Moder, feiner Staub hängt in der Luft. Die Magdalenenkapelle in Ranna ist nicht wiederzuerkennen. Seit Montag räumen Helfer den Innenraum leer, um die kleine Kirche für eine aufwendige Sanierung vorzubereiten.

Wolfgang Meiller, Ortssprecher und langjähriger Vorsitzender des Vereins der Magdalenenfreunde sowie Mesner in der Kapelle, hat seine Kollegen zusammengetrommelt. Josef Horvath ist gerade dabei, mit einem Pickelhammer den Putz von den Wänden zu schlagen. Das schwere Gerät rattert ohrenbetäubend. Ein anstrengender Job, den Horvath freiwillig macht, ebenso wie Otto Herr oder Paul Fischbach. Sie fahren Karren um Karren voll Schutt und Putzbrocken aus der Kirche, die mittlerweile nur mehr aus der Raumschale besteht. Johannes Meiler, Thomas Zinner, Theo Looshorn und viele weitere Helfer haben in den vergangenen Tagen das Gestühl entfernt, die kostbaren Figuren eingelagert und den fauligen Holzboden herausgerissen. Der alte Beichtstuhl wurde demontiert, morsch und schimmelig liegt er auf der Wiese vor der Kapelle. Auch die Kreuzwegstationen und Bankpodeste sind abgebaut.

Heute hilft die Feuerwehr

Heute rückt noch einmal ein Trupp der Feuerwehr an, um weitere Putzschichten zu entfernen. Die liegen zentimeterdick über den alten Mauern. Die Rannicher Helfer stemmen ein gewaltiges Stück in Eigenleistung, bevor dann am Montag die ersten Handwerker anrücken. Die Firma Eisenmann aus Neuhaus ist mit den Unterbauarbeiten für den Fußboden beauftragt. Danach werden die Natursteinplatten verlegt, bevor die Eisinger Firma Fuchs das Innengerüst aufstellen kann. Das benötigen die Kirchenmaler aus Bamberg, die sich danach an die Gemälde wagen. Die Firma Schmuck kümmert sich um die Raumschale; mit ihr gab es schon bei der Sanierung der Pfarrkirche gute Erfahrungen. Ebenso wie mit der Schreinerei Popp aus Troschenreuth. Der Familienbetrieb übernimmt die Bankpodeste, die erneuert werden, wobei eine Heizung später das Sitzen in der Kirche angenehmer machen soll. Sanierungsbedürftig sind auch die Fenster, denen sich Kurt Ziegler aus Auerbach annehmen wird.

Bevor aber überhaupt ein Helfer oder Handwerker Hand anlegen konnte, musste die alte Elektroinstallation rückgebaut werden. Aus Sicherheitsgründen, wie Kirchenpfleger Wilhelm Schelz erklärt. Er kümmert sich um die Finanzen und hat alle Zahlen parat. So haben die Architekten Hartmut Schmidt aus Hollfeld, die auch schon für die Pfarrkirche verantwortlich zeichneten, einen übersichtlichen Zahlenplan vorgelegt. Nach der Ausschreibung hat die Kirchenverwaltung den Firmen ihre Zusage erteilt. Knapp 200 000 Euro wird die gesamte Innensanierung kosten. 65 Prozent gibt es von der Diözese Bamberg; die Bayerische Landesstiftung hat zehn Prozent Förderung zugesagt, 19 000 Euro. Schelz hofft noch auf einen Zuschuss des Bezirks Oberpfalz mit fünf Prozent.

Paten für Objekte gesucht

Auch die Gemeinden Auerbach und Neuhaus haben bereits Unterstützung zugesagt. Aus der Bergstadt kommen 5000 Euro, der mittelfränkische Nachbar gibt 1000 Euro. Selbst ein "Patenprojekt" läuft; dabei dürfen sich Gläubige Kunstobjekte oder Kirchenfiguren aussuchen und mit einem Betrag die Patenschaft für deren Sanierung übernehmen. Die Kirchenverwaltung wartet ferner auf Antwort vom Landesamt für Denkmalschutz, hofft hier auf 25 Prozent Zuschuss. Etwaige finanziellen Lücken übernimmt dann der Verein Freunde von St. Magdalena, erläutert Wolfgang Meiler, ohne zu wissen, wie hoch dieser Beitrag sein könnte. Die Eigenleistung wurde bereits mit 22 000 Euro veranschlagt. Läuft alles nach Plan, dann wird die Innenrenovierung von der Firma Onnen aus Hirschaid übernommen. Sie säubert die Skulpturen, reinigt den Altar und bringt die Ausstattung wieder zum Strahlen. Außerdem wird ein elektrisches Geläut installiert, nachdem bisher Wolfgang Meiler das Läuten der Glocke per Hand gemacht hatte. Er und Schelz hoffen, dass bereits Weihnachten wieder Gottesdienst in der Kapelle gefeiert werden kann, ohne freilich sicher zu sein, welche "Überraschungen" bei dem Projekt noch warten könnten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Ranna (59)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.