St. Martin Amberg - eine kleine Baugeschichte

Martin ist der zu Stein gewordene Wille der Amberger Bürger, sich ein Denkmal zu setzen. 72 Meter lang und 20,5 Meter breit ist das spätgotische Bauwerk nach dem Dom in Regensburg die zweitgrößte Kirche der Oberpfalz. Begonnen 1421, vollendet 1522 - sieht man vom Turm ab.

St. Martin, das steht heute definitiv fest, hatte einen romanischen Vorgängerbau an gleicher Stelle. Viel kleiner, aber mit zwei oder drei Türmen. Um das Jahr 1000 entstanden. Zunächst errichteten die mittelalterlichen Baumeister den Chorraum der neuen Kirche zum Rathaus hin. Das halbe Schiff wurde mit einer provisorischen Mauer verschlossen, um es benutzen zu können, dann begann der Abbruch des Vorgängerbaus. Es folgte der zweite Bauabschnitt, der auch zwei Türme bekommen sollte. 1461 war Baubeginn dafür, doch gelang es den Ambergern nicht, den Untergrund in den Griff zu bekommen, obwohl sie zur Stabilisierung des matschigen Schwemmlands an der Vils Felsbrocken in den weichen Boden pressten. Jetzt fiel die Entscheidung, lieber einen großen und stabileren Turm zu bauen.

Doch von Anfang an gab es Probleme: Der Turm neigte sich leicht, zeigte bedenkliche Setzungserscheinungen. 1509 war die Höhe der Glockenstube, ein Geschoss über dem jetzigen Umgang, erreicht. Ab 1534 bildete ein achteckiger Aufsatz den Abschluss. Doch der Turm neigte sich, die Risse wurden immer größer.

1703 bekam die Kirche zudem bei der Beschießung im spanischen Erbfolgekrieg einige Treffer ab. Nun war der Aufsatz nicht mehr zu halten. 1720 folgte der Abbau, bis 1725 entstand der heutige, barocke Abschluss. Noch einmal drei Geschosse hoch plus die gewaltige Dachkuppel.

Doch der Turm kam nie zur Ruhe. Immer wieder mussten Anker gesetzt werden, um das Auseinanderreißen zu verhindern. Zuletzt baute die Firma Cramer-Klett 1879 eine gewaltige Stahlkonstruktion ein - sie ist heute noch zu sehen. Auch sie zeigte wenig Erfolg. Erst 2013 folgte der entscheidende Schritt. Mit einem Millionenaufwand presste eine Spezialfirma Beton in den Untergrund, schuf einen festen Keil als Verbindung zwischen Turm und dem felsigen Untergrund einige Meter unter dem Schwemmland der Vils. (ass)
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