Staatsanwältin sieht Mordversuch

Die Staatsanwaltschaft packte schweres Geschütz aus. Weil er versuchte, seine Mutter durch eine Brandstiftung zu töten, soll ein 34-Jähriger für sieben Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Die Verteidigung plädierte vor dem Amberger Schwurgericht auf zwei Jahre Haft zur Bewährung. Das Urteil fällt am Freitag.

Die Richter sind um ihre Entscheidung nicht zu beneiden. Sie sollen beurteilen, ob es sich um eine eiskalt geplante Tat oder um die Vorgehensweise eines Menschen handelte, der wegen seiner Trunksucht so recht nicht mehr wusste, was er anstellte. Fest steht: Der 34-Jährige legte in einer Oktobernacht letzten Jahres Feuer in dem gemeinsam mit seiner Mutter (60) bewohnten Haus bei Neunburg. Er hatte zur Tatzeit 2,6 Promille und fuhr danach mit dem Auto weg.

Zwei Tage lang beschäftigte sich das Schwurgericht intensiv mit dem Geschehen und hörte viele Zeugen. Dabei wurde deutlich: Der junge Mann versank nach dem Tod seines Vaters, der im September 2014 gestorben war, immer mehr im Alkohol. Er mied jeglichen Kontakt und sagte, als ihn die Richterin Roswitha Stöber fragte: "Ich lebte wie ein Asozialer". Täglich mindestens ein halber Kasten Bier und permanent Streit mit seiner Mutter, die ihn drängte, erneut auf Entzug zu gehen.

Mutter auch Zeugin

"Es ist egal, ob sie dabei drauf geht", soll der 34-Jährige nach seiner Festnahme zu einem Polizisten gesagt haben. Doch jetzt vor den Richtern bestand der Mann darauf: "Ich wollte sie nicht töten." Das von ihm an einer Treppe mit Brandbeschleuniger gelegte Feuer ging von selbst aus. Hätte es um sich gegriffen, wären die Flammen - so ließ ein Brandsachverständiger erkennen - mit Sicherheit auch in die Wohnung der Mutter gelangt. Deren einzige Fluchtmöglichkeit bestand über die steile Stiege.

Auch die Mutter sagte aus. "Er ist kein Verbrecher", sagte sie. Dann kam sein früherer Arbeitgeber und schilderte, wie oft der Alkoholsüchtige Chancen bekam, ehe die Kündigung ausgesprochen wurde. Und es gab eine nahe Verwandte, die beobachtet hatte, wie sich der Mann nach dem Tod seines Vaters veränderte. In der Tatnacht bekam sie einen Anruf von der Mutter des Brandstifters. Sie rief aufgeregt in den Hörer: "Jetzt hat er das Haus angezündet!" In einem Gutachten der Psychiaterin Dr. Christine Wunder-Lippert hörte das Schwurgericht: "Steuerungsfähigkeit eingeschränkt, Einsichtsfähigkeit vorhanden."

Das alles addierte Staatsanwältin Franziska Bücherl. Sie kam dabei zu der Auffassung: "Er wusste, dass die Mutter im Haus war und er wusste auch, dass sie keine Fluchtmöglichkeit besaß. Er nahm seine Habe und die Hunde, fuhr davon." Das alles sei heimtückisch geschehen und damit als Mordversuch zu ahnden. Den hohen Alkoholgenuss ließ Bücherl nicht gelten. "Es war geplant, die Frau sollte sterben." Zumal ihr der Sohn eine Mitschuld am Tod des hoch von ihm verehrten Vaters gab und es ihn, so die Staatsanwältin, "zutiefst nervte, ständig auf seine Trunksucht angesprochen zu werden." Die Anklagevertreterin forderte sieben Jahre und sieben Monate Haft.

"Blackout", sagt Anwältin

"Lassen Sie die Kirche im Dorf", sagte Verteidigerin Claudia Schenk zu dem Strafantrag. Sie schilderte den 34-Jährigen als Menschen, der nicht mehr wusste, was er tat und einen "Blackout" gehabt habe. Ein Nachweis für die Tötungsabsicht könne nicht erbracht werden. Die Brandstiftung aber sei Tatsache. Dafür verlangte Schenk eine Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung.

Selten zuvor klafften Strafanträge so weit auseinander. Das Schwurgericht muss nun entscheiden. Es nimmt sich Zeit zur Beratung.
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