Stadtwesten nicht abhängen

Wir sollten nicht den dritten vor dem ersten Schritt machen.

Handelszentrum, Bürgerentscheid - das Thema bewegt: Der von SPD, ÜPW und ÖDP-Fraktion initiierte Infoabend mit 90 Zuhörern mündete in den Appell, in der Stadtentwicklung nicht auf die Peripherie im Osten, sondern auf die Stärkung des westlichen Stadtteils zu setzen - wenn im März "Diska" schließt.

Nabburg. (cv) Im Alten Pfarrhof wurden noch Stühle herbeigeschafft. Die Moderation übernahm souverän der frühere SPD-Stadtrat Peter Igl. Die ABU wird erst beim nächsten Termin am 28. Dezember im Boot sein. Stadträtin Irene Ehemann war krankheitsbedingt verhindert.

Heidi Eckl (ÖDP) hob in ihrem Statement hervor, dass die 1467 Unterschriften, die die Interessensgemeinschaft pro Handelszentrum gesammelt hatte, einem "echten Handelszentrum, nicht einem Supermarkt mit Bäcker, Metzger und Schreibwaren" gegolten hätten. Eckl sah sich als Stadträtin "in der Pflicht, auf alle zu schauen". Das seien nicht nur die Bürger aus der Venedig, Diendorf und Neusath. "Wir hätten dann vier Supermärkte, da würde kein fünfter Interesse zeigen, in die Ecke Kerres/Regensburger Straße im Stadtwesten zu gehen", - ein Einwohner starkes Gebiet, das nach der Diska-Schließung im März unterversorgt wäre. Außerdem würde sich die Verkehrssituation durch ein Einkaufszentrum im Osten verschärfen: "Soll der ganze Jägerring da rüber fahren?"

Chancen im Westen

Horst Jäger (ÜPW) hob hervor, dass mit dem Bürgerentscheid über eine Änderung des Bebauungsplanes abgestimmt werde. Doch dafür müssten konkrete Planungen auf dem Tisch liegen. Zudem sehe der rechtliche Rahmen eine Bebauung im Außenbereich nur vor, wenn dringender Bedarf bestehe und es innerorts keine Möglichkeiten gebe. Im Osten gebe es keinen Bedarf für einen weiteren Supermarkt und die Drogeriemarktlücke werde durch Rossmann am Angerweiher geschlossen. Bedarf bestünde an Kleidung und Elektro. Man solle nicht den dritten vor dem ersten Schritt machen. Jäger sieht die konkrete Chance auf eine Vollsortimenter in der Ecke Kerres/Poststeig, der zusammen mit den Geschäften in der Regensburger- und Georgenstraße Synergieeffekte bringen würde. Er gab zu bedenken dass "pro Handelszentrum" auch bedeute, dass der Stadtrat seine Handlungsfähigkeit bei diesem Projekt abgebe.

Für Evi Thanheiser (SPD) bedeuten 1467 Stimmen im Umkehrschluss, dass 70 Prozent nicht unterschrieben haben. Deshalb sei sie für den Bürgerentscheid. Laut Thanheiser würden von 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche 75 Prozent Lebensmittelmarkt. Bekleidung? Firmen wie Adler oder Vögele seien lediglich "möglich", meint sie zum Wunsch "shoppen zu gehen". Sie wollte "konkrete griffige Angebote, statt die Katze im Sack zu kaufen."

Und auch hier die Frage: Was wird aus dem Stadtwesten, wenn Diska aufhört? Der Platz am künftigen Kreisel sei groß genug für einen Lebensmittelmarkt. Der interessierte Investor, die Küblböck Unternehmensgruppe habe einen namhaften Discounter an der Hand. Thanheiser ging es dann jedoch wie dem dafür kritisierten Projektentwickler des Handelszentrums im Osten: Beim Namen musste sie passen. Den könne Küblböck im jetzigen Stadium nicht preisgeben. Die SPD-Sprecherin sah zudem mit dem Handelszentrum überwiegend Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich verbunden.

Planerische Hürden

Bürgermeister Armin Schärtl erläuterte das Prozedere zum Bürgerentscheid. Er bedeute nicht, "dass dann automatisch das Zentrum kommt." Es stehe die Zuständigkeit der Stadt für die Bauleitplanung auf diesem konkreten Grundstück zur Abstimmung. Bei einer Änderung müssten die Vorgaben des Landesentwicklungsprogrammes - Innen- vor Außenwirkung - und ein Fachgutachten zeigen, ob eine Planänderung genehmigungsfähig sei. (Hintergrund)
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