Stark ausgeprägte Treue

"Es ist schon ein super Gefühl", sagt Gerhard Grünbauer, wenn er an Samstagen oder Sonntagen während der Flugsaison von Mai bis September in seinem Taubenzimmer am Fenster steht. Idealismus, die Liebe zu den Tauben und eine Frau, die mitmacht, sind das Erfolgsgeheimnis.

Wenn die "Rennpferde der Lüfte" am Dach ankommen, betätigt er seine mit Erdnüssen und Mais gefüllte Schüttelbox, und die Vögel suchen sofort den Schlag auf. Früher ist er stundenlang vorm Taubenhaus auf und ab gegangen, um auf die Rückkehr zu warten. Inzwischen werden die Reisetauben per Antenne elektronisch erfasst.

Mehr als ein Hobby

Als 14-Jähriger hat Grünbauer bei Reinhard Pienkny die Freude am Brieftaubensport entdeckt. Und es ist für das Ehepaar seit 1975 mehr als nur ein Hobby geworden. "Es ist Wettkampf und Leidenschaft, aber auch der innere Frieden, den uns die Tiere bescheren", betonen Irmgard und Gerhard Grünbauer.

Er übernahm mit 18 Jahren 1969 den Vorsitz im drei Jahre zuvor gegründeten Verein "Heimkehr" Freihung und steht seitdem an der Spitze. Inzwischen ist die Zahl der aktiven Mitglieder auf fünf geschrumpft. "Brieftaubenvereine sind am Aussterben. Wir haben es versucht, aber junge Leute zeigen kein Interesse. Sie greifen lieber zum Smartphone oder Tablet", bedauern die Thansüßer.

Keine Krankheiten

Mit den vielfach beschimpften "Ratten der Lüfte" habe die Brieftaube wenig zu tun. "Die Stadttaube ist eine ganz andere Spezies." Brieftauben würden sich nie in der Stadt herumtreiben. "Sie sind entweder im Schlag oder fliegen, und dann kommen sie zurück. Sie sitzen nicht herum, verschmutzen keine Dächer und sind ständig unter ärztlicher Kontrolle. Deshalb haben sie weder Parasiten noch sonstige Krankheiten."

220 farbige Brieftauben befinden sich in einem extra Häuschen. Anfangs schickte Grünbauer 62, jetzt etwa die Hälfte auf Langstrecken-Leistungsflüge. Der Kabinenexpress startet jeweils von Schönlind zu Auflassorten in der Pfalz, Belgien oder Luxemburg. Ein starkes Charaktermerkmal der Brieftaube sei ihre ausgeprägte Treue. Immer wieder kehrt sie zu dem Schlag zurück, in dem sie geboren wurde. Wie sich die Tiere bis zu 600 Kilometer orientieren und den Heimatschlag wiederfinden, ist noch immer ein Geheimnis. Heuer weist das Ehepaar eine bislang einzigartige Erfolgsserie vor: acht erste Plätze in der Reisevereinigung Sulzbach-Rosenberg und im Regionalverband, der sich von Burglengenfeld bis ins Fichtelgebirge erstreckt. "Man muss auch Leistungen vorweisen, um die Tauben wieder an den Mann zu bringen. Deshalb sind wir auch auf Messen wie beispielsweise in Kassel vertreten", lässt der professionelle Züchter wissen. Im eigenen Reich leben 80 weiße Tauben, die nur beim Hochzeitsservice zum Einsatz kommen. Stolz hält Grünbauer seine sieben Jahre alte Lieblingstaube in der Hand. "Sie hat schon viele Hochzeiten mitgemacht zwischen Kemnath und Wernberg, Waldthurn und Neumarkt", erklärt er. Ein echter Liebhaber kann von den Brieftauben nicht loslassen, bekennt der 64-jährige frühere Sparkassenangestellte, der sich auch im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde und sieben Vereinen als Kassier engagiert.
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